Mecklenburg Vorpommern Lese

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Trägerwerk-Skizzen

Wunderschöne Ansichten von 24 Einrichtungen der Trägerwerke für Soziale Dienste  - gezeichnet von Gerhard Klein

(2011, erschienen im Bertuch Verlag).

Sankt Nikolaus in Greifswald

Sankt Nikolaus in Greifswald

Ludwig Bechstein

Der Sage nach gab es in Greifswald einen Dieb, welcher Geld aus der Kirche stahl. Dafür hing ihn der Teufel nach seinem Tode zum Wahrzeichen des Unrechts an einem Flügel einer Mühle auf. Von fort an drehten sich die Flügel dieser Windmühle links herum.  Die Einwohner nannten sie die „unrechte Mühle". Sie befand sich im Elbe-Weser-Dreieck und stürzte im Jahr 1916 während eines schlimmen Sturms um.

Andreas Werner

In Greifswald hat in einer Kirche ein hölzernes Bildnis des heiligen Nikolaus gestanden. In diese Kirche brach in der Nacht ein Dieb ein, wollte den Gotteskasten erbrechen und das darin befindliche Geld stehlen. Da erhob St. Nikolaus Bild drohend den Arm gegen den Dieb. Dieser aber war nicht erschrocken und sprach: Lieber Herr Sankt Nikolaus, ist das Geld im Kasten dein oder ist es mein? Weißt du was? Wir wollen darum laufen, wer zuerst an den Kasten kommt, dem soll das Geld gehören. Er lief also  durch das lange Schiff der Kirche dem Chore zu, aber siehe da, das Bild lief auch und stand am Kasten, als der Dieb hinzukam. Ei, Sankt Nikolaus! rief der Dieb, du könntest beim Herzog oder Markgrafen Läufer werden, du hast gewonnen, aber was in aller Welt nützt dir das Geld? Wäre ich, wie du, von Holz und hätte nimmer Durst noch Hunger, wollt ich keines Geldes begehren! Darum habe ein Einsehen und ein Nachsehen und gönne mir das Geldlein. Dann brach er den Gotteskasten auf, nahm kecklich das Geld und trug es von dannen.

Aber bald darauf starb dieser Dieb und wurde ehrlich begraben, denn niemand wusste, dass er ein Kirchenräuber war. Da sind die Teufel aus der Hölle heraufgestiegen, haben seinen Leib aus dem Grabe geholt und ihn bei den beraubten Gotteskasten niedergeworfen, danach aber ihn draußen vor der Stadt an die Flügel einer Windmühle gehängt. Von diesem Augenblick an drehten sich die Flügel dieser Windmühle links herum, solange sie stand, zum Wahrzeichen des Unrechts und des Unrechten.

 

aus dem Buch: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1930

bearbeitet von Andreas Werner

 

Bildquelle: Nikolaus von Myra, Gemeinfrei, Wikipedia