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Der Drachenprinz

Liebe und Hass, Freude und Leid, Solidarität und Hinterlist, Tugend und Skrupellosigkeit, Verrat, Rache, Mord, Gier, Mobbing, Impotenz... Kaum ein Thema wird in diesem Buch ausgespart. Bertuch Verlag, Florian Russi, 2004

Pape Dönes Glockenspiel

Pape Dönes Glockenspiel

Ludwig Bechstein

Diese Sage handelt von einem Mörder welcher mit Hilfe von unmenschlichen Mitteln erklärt warum so viele Menschen so unharmonisch miteinander leben.  Weiter gibt die Sage Aufschluss aus welchem Grunde sich der Teufel schwarz färbte. In den vergangenen Geschichten der Menschheit wird der Teufel immer als ein in der Hölle residierendes Unwesen beschrieben. Doch über seine Farbe ist sich niemand einig. Die am häufigsten genannte Farbe ist Rot, abgeleitet aus den vielen Feuerquellen der Hölle. Aber auch die Farbe Schwarz des Teufels ist weit verbreitet. 

Andreas Werner

Wie der Stürzebecher und seine Raub- und Mordgesellen auf Jasmund ihre geheimen Schlupfwinkel hatten, so saß ein ähnlicher Kumpan in einem Wald bei Ratzeburg, nur dass dieser kein Seeräuber war, sondern ein Landräuber, der hieß Pape Döne und war von unermesslicher Stärke, die er sich durch ein Teufelsbündnis verschafft hatte.

 Er durchstreifte das Land als Bettler, fiel über die Reisenden her, überwältigte auch den stärksten Mann und schleppte ihn und all sein Gut nach seiner verborgenen Höhle und Mordgrube. Dort schnitt er seinen Ermordeten die Hirnschalen ab, zog die Haut davon, trocknete,  bleichte sie und hing diese an einer Schnur zwischen Bäumen auf, dann schlug er mit seinem Gehstock daran und lauschte, welchen Klang oder Ton die Hirnschale von sich gab, und fand, dass nie einer klang wie der andere, und wie jeder Mensch seinen eignen Kopf hat, so ist auch der Klang seines Gehirndeckels vom andern verschieden, woraus leicht zu erklären, warum so viele Menschen so unharmonisch miteinander leben, weil eben ihre Hirnschalentöne nicht zusammenpassen. Von dieser Erfindung, welche Pape Döne sein Glockenspiel nannte, soll er auch, indem er Töne suchte, den Beinamen Döne erhalten haben. Wenn nun der musikalische Mann, der Urerfinder der Schädellehre, gleich wie auf einer Strohfiedel auf den Hirnschalen sich hören ließ, so machte er sich das Vergnügen, diese zu gleicher Zeit auch tanzen zu lassen, und dazu sang er wohlgemut eine spöttische Tanzweise:

So danzet, so danzet, min levesten Söne,

Dat Danzen, dat maket ju Vater Pape Döne.

Diesen verruchten Musikanten soll endlich der Teufel niedergeworfen haben, willens, mit seiner Seele an einen Ort zu fahren, wo Tanz und Spiel ein Ende haben, aber Pape Döne wollte nicht und versprach dem Teufel sieben Seelen statt seiner armen einzigen, wenn er ihm noch eine Frist gäbe, und der Teufel war auch so dumm, sich im Netz der Arglist Pape Dönes fangen zu lassen. Kaum war der Teufel fort, so ging Pape Döne nach Lübeck, suchte einen Mönch auf und beichtete ihm seine Sünden, indem er herzlich bat, jener möge ihn gegen den Teufel in Schutz nehmen.

Der Mönch versprach dies, wenn Pape Döne alle seine Untaten bekennen, alle ernstlich bereuen und dafür der strafenden Gerechtigkeit sein Leben zur Sühne geben sollte. Pape Döne war von der letzten Bedingung nicht erfreut, aber es galt seine Seele zu retten. Da nun der Teufel nach einiger Zeit kam und sich nach den sieben Seelen erkundigen wollte, war Pape Döne fromm geworden, herzte,  küsste ein Kruzifix und hielt es dem Teufel hin, er sollte es auch küssen. So etwas war dem Teufel noch nicht vorgekommen, er pfauchte Feuer und ließ Gestank fahren und fuhr ab, lauerte aber, als am andern Tage Pape Döne zum Galgen geführt wurde, um an selbigem als bußfertiger Sünder zu sterben, auf Pape Dönes Seele. Wie ward aber dem Teufel, als er zwei Engel sah, welche der fromme Mönch aus dem Himmel herab gebetet, und welche die Seele ganz frisch, wie sie aus dem Körper fuhr, in Empfang nahmen und mit in den Himmel! Darüber ärgerte sich der Teufel so sehr, dass er schwarz wurde. Seitdem ist der Teufel schwarz.

 

aus dem Buch: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1930

bearbeitet von Andreas Werner

Bildquelle: Teufel, Gemeinfrei, Wikipedia