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De Eekboom

De Eekboom

Fritz Reuter

Die plattdeutsche Sprache hat sich durchgesetzt - bis heute.

Dieses mundartliche Gedicht des gebürtigen Stavenhagener Dichters Fritz Reuter befasst sich im Wesentlichen mit der plattdeutschen Sprache selbst. Der hier erwähnte "Eekboom", also eine Eiche, ist seit jeher das Symbol für Stärke, Kraft und Ewigkeit. Die Germanen beteten sogar ihre Donareiche als heiligen Baum an. In Reuters Gedicht wird die Symbolik der Eiche auf die niederdeutsche Sprache übertragen: das Plattdeutsche. Dies wird vor allem in der vorletzten Strophe angedeutet. Und natürlich wird auch das einfache Volk mit der Eiche verglichen, das keiner vornehmen Kunst bedarf, sondern natürlich gedeiht, wie der Eekboom. 

Fritz Reuter gilt weiterhin als wichtigster Vertreter der niederdeutschen Dichtung, weshalb auch die Jahrzehnte lang erschienene literarische Zeitschrift "De Eekboom" nach diesem Gedicht benannt wurde.

Anette Huber-Kemmesies 

De Eekboom 

Ik weet eenen Eekboom de steiht an de See
de Noordstorm, de bruust in sien Knaest
stolt reckt he de Kroon in´e Hööcht
so is dat al dusend Johr west
Keen Minschenhand, de hett em plant
he reckt sik vun Pommern bet Nedderland

Ik weet eenen Eekboom vull Knorrn un vull Knaest
op de´n faat keen Biel un keen Aext
Sien Bork is so ruuch un sien Holt is so fast
as weer he mal bannt un behext
Nix hett em dahn, he warrt noch stahn
wenn wedder mal dusend vun Johrn vergahn

Un de König un sien Königin
un sien Dochter, de gahn an de´n Strand
"Wat deiht dat för´n maechdigen Eekboom sien
de sien Telgen reckt över dat Land
´keen hett em plaegt, ´keen hett em haegt
dat he sien Blaeder so lustig röögt?"

Un as nu de König sien Antwoort begehrt
steiht vör em en junge Gesell
"Herr König, ji hebbt ju ja sunst nich d´rum scheert
ju Fru nich un ok ju Mamsell
Keen vörnaehm Lüüd, de em harrn Tiet günnt
to sehn, dat de´n Boom ok sien Recht to kümmt

Un doch gröönt so lustig de Eekboom opstunns
wi Arbeitslüüd hebbt em wahrt
de Eekboom, Herr König, de Eekboom is uns´
uns´ plattdüütsche Spraak is´t un Aart
keen vörnehm Kunst hett se uns verhunst
frie wußen, to Hööchden ahn Königsgunst."

Gau gifft em de König sien Dochter de Hand
"Gott saegen di, Gesell, för dien Raed
Wenn de Stormwind eerst bruust dör dat düütsche Land
denn weet ik en saeker Staed
´keen eegen Aart frie winnt un wahrt
bi de´n is in Noot een to´n Besten verwahrt!"

 

(Fritz Reuter, 1860)  

*****

  
 

 

 

 

 

Foto: Die Suckower Eiche von Joachim Müllerchen, wikipedia