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Der Drachenprinz

Florian Russi

Geschichten aus der Mitte Deutschlands, mit Zeichnungen von Dieter Stockmann, 2004, 222 Seiten

Der Königsstuhl auf Stubbenkammer

Der Königsstuhl auf Stubbenkammer

Jodocus Donatus Hubertus Temme

Von der Entstehung des Königstuhls

Der Schriftsteller Jodocus Donatus Hubertus Temme hält in dieser Sage eine Mögliche Entstehung des Begriffs „Königstuhl" fest. Der Sage nach hat es auf der Stubbenkammer ein Stuhl aus Erde gegeben und die Person, die es schaffte, den steilen Kreidefelsen vom Meer aus zu besteigen, sollte Herrscher des Landes Pommern werden. 
 
Andreas Werner

 

Die höchste Spitze des Vorgebirges Stubbenkammer auf der Insel Rügen heißt der Königsstuhl. Der Name ist daher entstanden, dass hier in alten Zeiten den Königen der Insel gehuldigt wurde. Sie haben dabei auf einem hohen, künstlich von Erde erbauten Stuhl gesessen. Man sagt, die Rügianer hätten damals ihre Könige selbst gewählt, sie hätten aber nur den Kühnsten genommen und zum Beweise der Tapferkeit verlangt, dass der König von der Uferseite her den Stuhl besteigen müsse. Das ist aber ein großes und schweres Stück Arbeit, denn der Kreidefels, auf dem sich der Königsstuhl befindet, ist zum Meer hin mehrere hundert Meter hoch und ganz jäh und schroff. Es geht auch noch eine alte Sage unter dem Volke, dass künftig Einer, der von der Meerseite her den Königsstuhl ersteige, Herr des Landes werden solle.
 
In neueren Zeiten haben mehrere kühne Männer das Wagestück versucht, aber keinem hat es gelingen wollen. Am weitesten ist der Schiffer Paulsen von Bergen gekommen, ganz allein hat er nicht hinaufgelangen können. Nur von dem König Carl dem Zwölften von Schweden sagen einige Leute, dass es ihm geglückt sei und oben auf der Spitze ganz ruhig sein Frühstück verzehrt habe.

 

 


Die Volkssagen von Pommern und Rügen, J. D. H. Temme, Berlin 1840, Nr. 137
Bearbeitet von Andreas Werner

 

Bildquelle: Stubbenkammer um 1900, gemeinfrei