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Im Zeichen der Trauer

Florian Russi (Hrsg.)

Tröstungen für Hinterbliebene, 2006, 64 Seiten

Die verbotene Insel

Die verbotene Insel

Andreas Michael Werner

Die gefährlichste Insel Deutschlands

In der Ostsee befindet sich zwischen Greifswald und Rügen gelegen, eine kleine Insel, die von keinem Besucher besichtigt werden darf. Das Betreten der Insel mit dem Namen Riems ist streng verboten und äußerst gefährlich. Die kleine Insel misst in Ost-West-Ausrichtung etwa 1200 Meter und von Süd nach Nord an der breitesten Stelle gerademal 300 Meter. Aus der Luft betrachtet sieht die stark bebaute Insel aus, wie eine idyllische Ferieninsel der Ostsee. Doch hier ist die höchste Sicherheitsstufe und niemand darf rauf, der keine Erlaubnis besitzt.
Tierseuchensperrbezirk
Tierseuchensperrbezirk
Die Insel ist umgeben von meterhohen Zäunen, Stacheldraht und an den Zugängen gibt es mehrere Sicherheitsschleusen, Videokameras und Radaranlagen überwachen die Umgebung. Denn von der Insel Riems darf nichts nach Außen gelangen. Gefährliche Erreger sind es, tödliche Viren und Bakterien, die hier gezüchtet werden. In 89 Laboren und 163 Ställen wird mit Großtieren an tödlichen Erregern geforscht. Sehr gefährliche Krankheiten, die hochgefährlich für den Menschen sind und gegen die es keine wirksame Heilung gibt.
 
Gegründet wurde das erste Virusforschungsinstitut der Welt im Jahr 1910 von Friedrich Loeffler, einem Schüler von Robert Koch in Greifswald. Loeffler forschte auf dem bis dahin unbekannten Gebiet der Maul- und Klauenseuche. In seinem Stall mitten in Greifswald entdeckte er schließlich den gefährlichen Virus dieser Seuche. Doch anstatt zu helfen, infizierte er durch seine Untersuchungen zahlreiche Tiere in und um Greifswald mit dem Erreger. 
Forschungsgebäude vor dem Seuchenschutzgebiet im bewohnten Riemserort
Forschungsgebäude vor dem Seuchenschutzgebiet im bewohnten Riemserort
Um eine höhere Sicherheit zu gewährleisten, konzentrierte Friedrich Loeffler seine Forschung auf die kleine Ostseeinsel Riems und schottete diese komplett von der Öffentlichkeit ab. 

Während des Zweiten Weltkriegs nutze die SS im Dritten Reich dieses Forschungsinstitut, um an tödlichen Kampfstoffen für Kriegseinsätze zu forschen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Insel von der DDR erneut zu Experimenten an Tieren genutzt und zusätzlich in einigen Labors weiter an militärischer Forschung gearbeitet. 
 
Vor ein paar Jahren wurde das nun über 100 Jahre alte Forschungsinstitut für Viren und Bakterien aufwendig modernisiert und mit neuster Technik ausgestattet. Einfach nichts darf diese Insel verlassen. Jeder einzelne Tropfen Abwasser wird in den Kellern der Gebäude aufgefangen und so erhitzt, dass kein Keim mehr übrig bleibt. Die Tierkadaver kommen in eine eigene Beseitigungsanlage, bis von ihnen ebenfalls nur noch Staub übrig bleibt. Ein Ausbruch eines tödlichen Erregers hätte weltweit katastrophale Folgen für Mensch und Tier. So bleibt diese Insel für Ewigkeiten gefährliches Sperrgebiet mitten im schönen Urlaubsparadies der Ostsee.

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Bildquellen: 

 

  • Blick auf die Insel Riems, Sperrzone, im Wasser hinter dem Schilfgürtel ein Fundamentrest der alten  Seilbahn Wikitour, (CC BY-SA 1.0)
  •  Blick auf die Insel Riems, Zugang zum Tierseuchensperrbezirk am Damm, (CC BY-SA 1.0)
  • Forschungsgebäude auf Riems, Nisi169 (CC BY-SA 1.0)

 

 

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