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André Barz
Kennst du E.T.A. Hoffmann?

"Erlaubst du, geneigter Leser, ein Wort? Hättest du nicht Lust auf einen Tee oder eine heiße Schokolade? Vielleicht magst du aber auch lieber einen Punsch, so wie ich?"

Dieses Buch, versehen mit allerlei Bildern und Zeichnungen, macht es leicht E.T.A. Hoffmann kennenzulernen. Das Beste daran ist, der "erste Fantasy-Dichter" erzählt ganz persönlich sein Leben, davon, wie er eigentlich Musiker werden wollte und dann doch Schriftsteller geworden ist, obwohl ihn das nie interessiert hat, und von seinen Erfahrungen mit der Liebe. Nebenbei gibt er einige seiner Märchen und Erzählungen zum besten.

Schwaan

Schwaan

Birgitt Sandke

Ein Künstlerort an Warnow und Beke

Fährt man auf der Autobahn A19 zur Ostsee, kommt etwa 20 km vor Rostock ein Hinweisschild zur Künstlerkolonie Schwaan. Dann geht es über Landstraßen durch die wunderschöne, von Wäldern, weiten Feldern, Wiesen und kleinen Dörfern geprägte leicht hügelige Landschaft zu der mecklenburgischen Kleinstadt Schwaan an den Ufern von Warnow und Beke. Aber auch per pedes, mit dem Rad oder über das Wasser kann man sich der Stadt nähern. Wasserwanderer kommen beispielsweise mit Faltboot, Ruder-, Paddel- oder Schlauchboot auf der Warnow nach Schwaan. Motorboote sind untersagt, denn die Warnow ist ein Naturschutzgebiet. Besonders Naturliebhaber schätzen die wohltuende Ruhe dieser Landschaft.

Die Künstlerkolonie Schwaan

Winterrmorgen in der Doberaner Straße
Winterrmorgen in der Doberaner Straße

Schwaan hat sich vor allem durch die einst hier ansässige Künstlerkolonie einen Namen gemacht. Diese Gemeinschaft von Malern bildete sich in Schwaan um 1890 und war besonders durch das Schülerverhältnis der meisten ihrer Mitglieder zu Franz Bunke bzw. zur Weimarer Malerschule geprägt. Kein Wunder, dass sich Künstler in Schwaan niederließen oder zu Studienaufenthalten kamen, bot doch die kleine Ackerbürgerstadt und deren unmittelbare Umgebung für das Zeichnen und Malen vor der Natur vielfältige Motive.

Wichtigste Maler dieser Mecklenburger Künstlerkolonie wurden die gebürtigen Schwaaner Franz Bunke, Rudolf Bartels, Peter Paul Draewing und der Hamburger Alfred Heinsohn. Sie studierten an der Weimarer Malerschule Landschaftsmalerei und schulten ihr Auge in der mecklenburgischen Heimat, wo sie sich einem umfangreichen Naturstudium hingaben. 

Noch bevor sich in Schwaan eine Künstlerkolonie herausbildete, weilten die Schweriner Künstler Otto Dörr, Eduard Ehrke sowie der mecklenburgische Landschaftsmaler Carl Malchin in Schwaan, um zu malen. Aber erst mit dem gebürtigen Schwaaner Franz Bunke, der an der Weimarer Malerschule bei Theodor Hagen studierte, entwickelte sich die Kleinstadt zu einem Künstlerort. Das Studium bei Theodor Hagen zeichnete sich dadurch aus, dass in Abkehr vom akademischen Stil das Arbeiten vor der Natur gelehrt wurde. Bunke vermittelte diese neue Auffassung auch an seine Studenten.

Ihm ist der Durchbruch der Freilichtmalerei in Mecklenburg zu verdanken. Nach dem Studium war Bunke selbst als Professor für Landschaftsmalerei in Weimar tätig. Anfangs brachte er während der studienfreien Zeit Kollegen wie Paul Baum, Arno Metzeroth und Richard Starcke zum gemeinsamen Naturstudium in seine Heimatstadt mit. Später reiste er jedes Jahr mit seinen Schülern nach Schwaan, um in den Sommermonaten hier zu malen. Auf Anraten Bunkes studierten Rudolf Bartels und Peter Draewing in Weimar bei Theodor Hagen. Rudolf Bartels und Alfred Heinsohn nahmen auf unterschiedliche Weise Einflüsse der Moderne auf. Rudolf Bartels entwickelte sich so zum bedeutendsten Maler Mecklenburgs der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 

Die Beke in Schwaan am Morgen des Ostersonntags 2012.
Die Beke in Schwaan am Morgen des Ostersonntags 2012.

Wie auch für die Ahrenshooper Künstlerkolonie bedeutete der Erste Weltkrieg für die Künstlerkolonie Schwaan einen tiefen Einschnitt und das Ende einer sehr fruchtbaren Zeit. Draewing, Bartels und Heinsohn wurden eingezogen und verließen Schwaan. Franz Bunke, der sich weiterhin seiner Heimatstadt verbunden fühlte, kam bis zu seinem Tode 1939 allein oder mit seinen Schülern regelmäßig nach Schwaan.

Entdeckungen in der „Kunstmühle" und anderswo

In der „Kunstmühle" sind wichtige Werke der Schwaaner Künstlerkolonie ausgestellt. Neben der eigenen Sammlung zeigt die „Kunstmühle" auch wechselnde Ausstellungen, die an die Werke der Schwaaner Maler anknüpfen. Die „Kunstmühle" ist übrigens eine ehemalige Mühle, die vor etwa 200 Jahren an der Beke entstand. Sie wurde zum Kunstmuseum umgebaut und 2002 eröffnet. Die Balken- und Fachwerkkonstruktion der Mühle integrierten die Architekten beim Umbau behutsam in die Galerieräume. So erhält das Museum seine besondere Atmosphäre. Auf die Geschichte des Gebäudes nimmt außerdem der im Erdgeschoss eingerichtete historische Mühlenraum Bezug.

Von der Mühle führt ein schöner Kunstpfad in die Flussniederung. Doch auch für einen kleinen Stadtrundgang sollte sich jeder Besucher von Schwaan noch genügend Zeit nehmen, um die Orte zu erkunden, wo einst die Künstler wohnten oder Anregungen für ihre Werke bekamen.

Der Kirchturm der robusten Backsteinkirche St. Paul grüßt die Besucher der Stadt schon von weitem. Die romanischen Rundbögen und die gotischen Spitzbögen, die an der Fassade zu erkennen sind, weisen die Kirche als einen typischen Bau aus der Zeit des Übergangs von der Romanik zur Gotik aus. 

Warnow in Schwaan
Warnow in Schwaan

Auch die Gebäude aus dem 19. Jahrhundert wie das Rathaus und das von dem Oberlandbaumeister Carl Theodor Severin entworfene Pfarrhaus sowie das Schulgebäude, die sogenannte „Ossenschaul", und das Wohnhaus des Malers Franz Bunke in der Wallstraße sind sehenswert. In unmittelbarer Nähe des Bunke-Hauses, das heute eine private Galerie und Kunsthandlung beherbergt, ist übrigens ein hübsches Café und Weinrestaurant, wo man kurz verweilen oder den Tag genussvoll ausklingen lassen kann. All diese Gebäude atmen Geschichte und geben der Stadt inmitten der Flussniederungen ihr besonderes Flair.

Immerhin entstand die Stadt bereits im 13. Jahrhundert an einem alten Handelsweg von Lübeck nach Stettin, der Via Regia. Silber- und Waffenfunde, die bis in die Bronzezeit zurückgehen, weisen darauf hin, dass Schwaan schon viel früher besiedelt war. In dem sonst sumpfigen Gebiet befand sich hier die einzige Furt über die Warnow. Obwohl mehrere Stadtbrände im 17. und 18. Jh. wüteten und Schwaan fast völlig zerstörten, ist noch heute der Stadtkern in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben. 

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Bildquellen: 

Vorschaubild, Rathaus und Kirche in Schwaan im Landkreis Bad Doberan, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland Urheber: Niteshift via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0 

Schwaan Winterrmorgen in der Doberaner Straße Urheber: An-d, via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0 

Schwaan von Franz Bunke (1857-1939), gemeinfrei

Die Beke in Schwaan am Morgen des Ostersonntags 2012. Urheber: An-d, via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0 

Warnow in Schwaan Urheber: An-d, via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0     

 

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18258 Schwaan

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