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Heiligengeisthof in Rostock

Heiligengeisthof in Rostock

Dörte Suhling

Kleinod mitten in der City

Mitten in der City von Rostock und dennoch fernab von Hektik und Trubel der Großstadt liegt der Heiligengeisthof, ein Quell der Ruhe und Zurückgezogenheit. Die ehemalige Wohnstätte für Pflegbedürftige und Kranke liegt etwas versteckt zwischen Eselföterstraße und Fauler Grube nahe der St.-Marien-Kirche und ist auch heute noch eine idyllische Oase, die Platz und Gelegenheit zum Entschleunigen und Verweilen bietet.

Hospitäler im mittelalterlichen Rostock

Der Heiligengeisthof ist der ehemalige Innenhof eines der großen Hospitäler der Hansestadt Rostock, dem Heiliggeisthospital. In der Hansestadt gab es ausgangs des 12. bis Mitte des 13. Jahrhunderts mehrere große Hospitäler wie z. B. das Hospital St. Jürgens in der Nähe des Steintors, das sich insbesondere um die Leprakranken der Stadt kümmerte, oder das St. Georg-Hospital außerhalb der Stadtmauer.

Die Anlage des Heiliggeisthospitals

Die 1818 abgerissene Hospitalkirche auf der Vicke-Schorler-Rolle
Die 1818 abgerissene Hospitalkirche auf der Vicke-Schorler-Rolle

Das Heiliggeisthospital wurde ursprünglich in der Rostocker Altstadt um 1260 errichtet und 1297 an seinen jetzigen Standort in der Neustadt verlegt. Zum Hospitalkomplex gehörten ursprünglich zwei Wirtschaftshöfe.

Der größere von beiden, der zur Langen Straße hin ausgerichtet war, wurde bei 1942 während eines Bombenangriffes schwer zerstört und fiel den Wiederauf- und Umbauarbeiten der Langen Straße zum Opfer. Erhalten ist heute nur der kleinere der beiden Höfe, der aber in beeindruckender Weise zeigt, wie klein und eng die Innenstadt von Rockstock ursprünglich einmal gewesen ist. Dieser Hospitalhof gehört heute zu den wichtigsten historischen Orten der Hansestadt.

Zur Anlage des Heiliggeisthospitals gehörten aber auch mehrere Gebäude wie z. B. die ehemalige Hospitalkirche, die Häuser von Pfarrer und Küster sowie das Verwaltungsgebäude des Hospitals im Heiligengeisthof 42, das Ende des 18. Jahrhunderts errichtet wurde.

Die Hospitalkirche am Hopfenmarkt

Zu diesen Gebäuden gehörte eine große, monumentale Pfarrkirche, die sich am Hopfenmarkt an der Stelle des heutigen Gebäudes der Deutschen Bank befand und die ihre Schwesterkirche, die Heiliggeistkirche in der Hansestadt Lübeck, in Größe und Ausstattung bei weitem übertraf.

In der Kirche wurden u. a. auch die einkommensschwachen und armen Bedürftigen und Kranken versorgt. Aus Platzmangel entstanden Ende des 18. Jahrhundert hinter der Kirche in zwei Achsen mehrere Höfe mit zweigeschossigen Backstein- oder Putzbauten, in der die Kranken untergebracht werden konnten.

Das Hospital nach der Reformation

Während sich das Hospital im Mittelalter fast ausschließlich von Spenden der Rostocker Bürger getragen hat, oblag die Versorgung der Armen, Kranken und Bedürftigen nach der Reformation der Stadt. Somit verlor das Heiliggeisthospital mehr und mehr an Bedeutung. Die Hospitalkirche wurde Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen, vermutlich, weil sie baufällig war oder einfach nicht mehr benötigt wurde. Vom ehemaligen Hospital in der Rostocker Innenstadt blieb einzig und allein der zweite, kleinere Wirtschaftshof erhalten. Allerdings hat sich auch seine heutige Gestaltung seit dem Mittelalter durch umfassende Bebauung wesentlich verändert und wurde weitgehend von Baumaßnahmen im 19. Jahrhundert geprägt. Von den ehemaligen hier angelegten Gärten und den traufseitig zur Straße stehenden Häusern ist nichts mehr zu sehen.

An der Stelle der ehemaligen Hospitalkirche, die früher bis an den Wirtschaftshof heranreichte, sind an der Kröpeliner Straße große Geschäftshäuser entstanden. Damit wurde das Hospital, das seinen Eingang ursprünglich ganz präsent zur Hauptstraße ausgerichtet hatte, mit dem Heilgengeisthof in die zweite Reihe der Innenstadt verdrängt. So hat sich das Umfeld des ehemals bedeutendsten Hospitals in der Rostocker Innenstadt im 20. Jahrhundert zu einen normalen, auch gut bezahlbaren Wohnviertel der Hansestadt entwickelt.

Das Gebiet des Heiligengeisthofes heute

Mit dem Umbau der Rostocker Innenstadt nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges erfuhr das Gebiet des Heiligengeisthofes das zweite Mal eine weitreichende Veränderung. Heute haben sich im Heiligengeisthof verschiedenste Geschäftsleute mit ihren Läden angesiedelt und finden zwischen Langer Straße und Kröpeliner Straße einen optimalen Standort mitten in der Rostocker Innenstadt.

Daneben wurden in den Gebäuden um den ehemaligen Wirtschaftshof des Hospitals Ferienwohnungen eingerichtet. Sie bieten mit ihrer versteckten Lage optimale Voraussetzungen für einen ruhigen und entspannten Aufenthalt in der Hansestadt Rostock.

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Bildquellen:

Heiligengeisthof 2005. Urheber: Darkone via. Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.5

Detail Heilig-Geist-Kirche aus der Vicke Schorler Rolle. Blatt 4/9, gemeinfrei