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Das Jagdschloss Gelbensande

Das Jagdschloss Gelbensande

Birgitt Sandke

Einst Residenz der mecklenburgischen Landesfürsten

„Dieses Tor bedeutet für mich und meine Geschwister von Jugend auf den Eingang zu unserem irdischen Paradies.“

Diese Erinnerungen an das Jagdschloss Gelbensande sind von keiner Geringeren geschrieben als von Cecilie, Prinzessin von Mecklenburg-Schwerin und Kronprinzessin von Preußen, die mit dem Jagdschloss wunderbare Erlebnisse ihrer Kindheit und Jugend verband.

Errichtet im schönsten Leibjagdrevier

Friedrich Franz III.
Friedrich Franz III.

Noch heute wird der besondere Charme des Schlosses spürbar, wenn es inmitten des Gelbensander Forstes, zwischen der Hansestadt Rostock und der Region Fischland-Darß gelegen, seine märchenhafte Architektur offenbart. Großherzog Friedrich Franz III. und seine Gemahlin Anastasia Michailowna Romanowa, Großfürstin von Russland und Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, wählten diesen schönen Standort für ihre Sommerresidenz. Von jeher war der Küstenwald ein bevorzugter Aufenthaltsort der mecklenburgischen Landesfürsten und galt als wohl schönstes Leibjagdrevier. Außerdem sprachen besondere heilsame klimatische Aspekte dieser an der Ostsee gelegenen Waldlandschaft für die Standortwahl, denn Großherzog Friedrich Franz III. hatte eine chronische asthmatische Erkrankung.

Mit dem Bau des Schlosses wurde der sächsische Baumeister Gotthilf Ludwig Möckel beauftragt, der in den Jahren 1885 bis 1887 die Sommerresidenz errichtete. Möckel hatte sich bereits einen Namen gemacht mit dem Bau der Johanniskirche in Dresden, seinem bedeutendsten Sakralbau. Fast zeitgleich mit der Projektierung des Gelbensander Schlosses erhielt er den Auftrag zur Wiederherstellung des Doberaner Münsters und wurde nach Abschluss der Wiederherstellungsarbeiten im Jahre 1900 sogar zum Geheimen Hofbaurat ernannt.

Innenräume des Schloss Gelbensande
Innenräume des Schloss Gelbensande

Das Jagdschloss Gelbensande wurde als Wohnhaus im historistischen Stil konzipiert. Das Unter- und das Hauptgeschoss bestehen aus Backstein, in Kombination aus roter und gelber Ziegelverblendung, während das Obergeschoss in Fachwerk mit geputzten Ausfachungen einen gelungenen Kontrast dazu bildet. Dachausbauten und Erkertürmchen, Loggien und Balkone geben dem Gebäude eine besondere Lebendigkeit und etwas Märchenhaftes. Da sich der Vater Anastasias, Großfürst Michail Nikolajewitsch Romanow, an der Finanzierung des Schlosses beteiligte, und er auch längere Aufenthalte besonders während der Brunftzeit des Rotwildes hier plante, nahm er einige Änderungen an der ursprünglichen Konzeption vor. So sollen auf seine Vorstellungen die hölzerne Überdachung des Haupteingangs in Anlehnung an russische Schlösser und Bojarenhäuser sowie Zierelemente in Form des russischen Doppeladlers zurückgehen.

Die Innenräume beeindrucken durch aufwendig gestaltete Holzverkleidungen und Schnitzwerk. Im Hauptgeschoss, dessen Zentrum die schöne Jagdhalle bildet, ist die Innengestaltung im Originalzustand erhalten. Interessant ist auch die Haustechnik. Das Jagdschloss verfügte über eine Warmluftheizung, denn die vorhandenen Kamine und Öfen reichten an kalten Tagen nicht aus, um genügend Wärme zu spenden. Die Sanitäranlagen und Bäder waren – für damalige Verhältnisse – mit modernster Technik ausgestattet. Übrigens kann man das Bad des Großherzogs noch im Originalzustand bewundern.

Ein Haus mit wechselvoller Geschichte

Kronprinzessin Cecilie, Großherzog Friedrich Franz IV. nebst Gemahlin und Kronprinzessin von Dänemark Alexandrine im Automobil vor den Eingang zum Jagdhaus Gelbensande
Kronprinzessin Cecilie, Großherzog Friedrich Franz IV. nebst Gemahlin und Kronprinzessin von Dänemark Alexandrine im Automobil vor den Eingang zum Jagdhaus Gelbensande

Das ganze Haus atmet Geschichte, das spürt der Besucher mit jedem Schritt. Nach dem Tod von Friedrich Franz III., 1897, diente das Jagdschloss als Witwensitz seiner Frau Großherzogin Anastasia mit ihren drei Kindern Alexandrine, Friedrich Franz und Cecilie. Während Alexandrine das Schloss bald verließ, um sich 1898 mit dem dänischen Kronprinzen Christian und späteren König Christian X. zu vermählen, und ihr Bruder, Friedrich Franz IV., 1904 die königliche Prinzessin Alexandra von Hannover und Cumberland in Gmunden am Traunsee heiratete, erlebte das Schloss wohl mit der Verlobung Cecilies mit Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reichs und von Preußen, am 4. September 1904 sein größtes Ereignis.

Bis 1944 wurde – mit Unterbrechungen – das Schloss von der großherzoglichen Familie genutzt und hatte danach eine sehr wechselvolle Geschichte, die im Museum anschaulich dargestellt wird. Das Jagdschloss fungierte unter anderem als Lazarett, TBC-Heilstätte, Krankenhaus, Bauarbeiterunterkunft, Domizil der Gemeindevertretung sowie der kommunalen Wohnungsverwaltung.

Neue Wege für ein kulturgeschichtliches Kronjuwel

Auf der Suche nach einem tragfähigen Nutzungskonzept in der Nachwendezeit fanden sich viele Interessenten ein und verschwanden wieder. Zu den Rechtsstreitigkeiten kam der zunehmende Verfall, der an der Substanz nagte. Schließlich konnte im Herbst 1995 der Förderverein Jagdschloss Gelbensande e.V. tätig werden, um der ehemaligen fürstlichen Residenz wieder Leben einzuhauchen. Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen holten Stück für Stück jenen Glanz zurück, der den Zauber dieses Kleinods ausmachte.

Heute hat sich dank der Aktivitäten des Fördervereins das historische Baudenkmal zu einem vielbesuchten Touristen- und Ausflugsziel entwickelt. Ein Besuch der Repräsentationsräume lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Die Räume sind teils original eingerichtet, teils erweitern Ausstellungen das Angebot. Da gibt es beispielsweise wertvolles dänisches Krönungsporzellan aus dem Bestand des Schlosses zu bewundern. Es finden Führungen für Groß und Klein statt sowie Lesungen, Konzerte und andere Veranstaltungen, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Und wer möchte, kann sich in den Repräsentationsräumen auch trauen lassen.

Übrigens – und das wissen die wenigsten – hatte das Jagdschloss auch eine Vorbildfunktion. Es stand Pate für das im englischen Landhausstil errichtete Schloss Cecilienhof in Potsdam, das die kaiserliche Familie entsprechend den Wünschen Cecilies ausführen und nach ihr benennen ließ. Einige Architekturelemente des Jagdschlosses Gelbensande wurden für Cecilienhof übernommen. Das Jagdschloss als Ort ihrer Kindheit und Jugend lebte so für Cecilie noch in anderer Form als liebenswerte Erinnerung fort.

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Bildquellen:

Das Jagdschloss Gelbensande liegt in der Rostocker Heide im Norden Mecklenburg-Vorpommerns in Deutschland. Urheber: Nikater via Wikimedia Commons, gemeinfrei

Friedrich Franz III. Verlag: Verlag Otto Vieweg Schwerin. Quelle: Unbekannt, gemeinfrei

Innenräume des Schloss Gelbensande. Urheber: Castle fan 2013 via Wikimedia Commons. (CC BY-SA 4.0)

Kronprinzessin Cecilie, Großherzog Friedrich Franz IV. nebst Gemahlin und Kronprinzessin von Dänemark Alexandrine im Automobil vor den Eingang zum Jagdhaus Gelbensande. Fotograf Ferdinand Esch, Ludwigslust, 1910er Jahre, gemeinfrei