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Lindenpark in Rostock

Lindenpark in Rostock

Dörte Suhling

Unter Bäumen und Toten

Abseits von großem Verkehrslärm, aber dennoch sehr zentral gelegen, gehört der Lindenpark. zu den bekanntesten und beliebtesten Erholungs- und Freitzeitflächen in der Hansestadt Rostock. Zu jeder Jahreszeit sind hier Spaziergänger, Jogger oder spielende Kinder mit ihren Familien anzutreffen. Doch kaum einer der Besucher weiß, dass der Lindenpark ursprünglich als Friedhof angelegt wurde.

Ein zentraler Friedhof wurde dringend gebraucht

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war es in der Hansestadt Rostock wie in vielen anderen Großstädten auch üblich, Verstorbene auf den Friedhöfen nahe der Pfarrkirche innerhalb der Stadt zu begraben. Doch in immer mehr Pfarrbezirken kam es im Laufe der Zeit zu Platzproblemen. Die kleinen Friedhöfe konnte die benötigte Zahl von Grabstätten einfach nicht mehr bereitstellen.

So entschloss man sich in Rostock im Jahr 1831, einen zentralen Friedhof weit vor den Toren der Stadt Rostock anzulegen. Der Weg dorthin, der Friedhofsweg, ist heute eine verkehrsberuhigte, aber dennoch sehr belebte Zufahrtstraße zum vor allem unter Studenten und jungen Familien beliebten Wohnviertel Kröpeliner Torvorstadt. Im Laufe der Jahre entstanden im Umfeld des Friedhofswegs eine Feuerwehrwache, eine Knaben- sowie die Navigationsschule.

Der zentrale Friedhof hatte damals zehn Eingänge, die zu den zu rechtwinkligen Karrees der Grabanlagen und fünf Rondellen innerhalb des Friedhofes führten. Die damals angelegten zwölf Lindenalleen existieren heute noch.

Auf dem Friedhofsgelände gab es 85 Grabkapellen. Diese entstanden größtenteils in der Zeit zwischen 1831 bis 1889 und gehörten vorwiegend wohlhabenden Familien der Hansestadt. Die große Mehrheit der Kapellen wurde 1942 während der Bombenangriffe auf Rostock im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die letzten Reste dieser Familiengrabstätten sind in den 1970er-Jahren abgerissen worden. Nur eine einzige Grabkapelle blieb erhalten.

Der Lindenpark entsteht

Jüdischer Friedhof in Rostock
Jüdischer Friedhof in Rostock

Schon direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gab es verschiedene Pläne zur weiteren Nutzung der ehemaligen Friedhofsfläche. So waren u. a. die Schaffung eines Volksparkes und der Bau einer Straße quer durch das Friedhofsgelände geplant.

Die eigentliche Umgestaltung des ehemaligen Friedhofs in einen Stadtpark begann allerdings erst im Jahr 1979. Voraussetzung dafür war ein entsprechender Beschluss zu Aufhebung und Ablauf letzter Ruhefristen, der erst 1979 getroffen wurde. Jetzt konnte die Umgestaltung des ehemals zentralen Friedhofs in ein Stadtparkgelände beginnen.

Unter weitgehender Erhaltung des orthogonalen Wegesystems entstand der Lindenpark. Von den ehemals 1 000 Grabstätten sind im Lindenpark heute noch etwa 100 erhalten, 50 davon befinden sich noch an ihrem ursprünglichen Standort. Darunter befinden sich die Gräber bekannter Rostocker Persönlichkeiten, wie z. B. das Grab von Carl Strempel (1800–1872), Gründer der Rostocker Universitätsklinikums, die Grabstätte der bekannten Rostocker Chemikerfamilie Witte oder die Grabstelle der Schriftstellers und Direktor des Wiener Burgtheaters Adolf von Wilbrandt (1837–1911).

Im Jahr 1988 begann die Sanierung und Aufarbeitung des Abschnittes des ehemaligen Friedhofes, der 1870 der jüdischen Gemeinde der Hansestadt Rostock zugesprochen worden war. 178 Grabsteine wurden hier im Rahmen des Rekonstruktion wieder aufgestellt, darunter die Grabstellen des bekannten Rostocker Kaufmanns Heinrich Josephy (1889–1929), des Rechtsanwalts Hugo Sawitz (1885–1921), der die Rostocker Stadtverfassung schuf, oder Dr. Siegfried Silbersteins (1866–1935), Landesrabbiner von Mecklenburg-Schwerin. Ein Gedenkstein in der Mitte der Anlage erinnert an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind.

Der Lindenpark heute

Heute ist der Lindenpark 10,4 ha groß. Das Parkgelände ist bei den Rostockern und ihren Gästen sehr beliebt und wird zu jeder Jahreszeit stark frequentiert.

Der VERSCHÖNERUNGS-VEREIN ZU ROSTOCK E.V. arbeitet auch heute noch in verschiedenen Projekten, u. a. in Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtgrün Rostock, an der weiteren Erhaltung und Pflege von Grabsteinen des alten Friedhofs.

Bei regelmäßig von diesem Verein organisierten Arbeitseinsätzen treffen sich Anwohner, Rostocker Firmen oder andere Freiwillige, um Maßnahmen zur Pflege, Verschönerung und Unterhaltung des Lindenparks durchzuführen.

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Bildquellen:

Vorschaubild: Denkmal für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Rostock. Urheber: Schiwago via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Denkmal für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Rostock Urheber: Schiwago via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Lindenpark in Rostock

Hundertmännerstraße 2
18057 Rostock

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