Mecklenburg Vorpommern Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.meck-pomm-lese.de

Weiterempfehlen

Unser Leseangebot

Goethe hat ihn bewundert

Goethes Begegnungen mit Felix Mendelssohn Bartholdy.

Horst Nalewski

Der Musikkenner und international geachtete Literaturwissenschaftler Horst Nalewski erzählt anhand fünf ausgewählter Beispiele von dem außergewöhnlichen Aufeinandertreffen und Zusammenwirken zweier Künstler. Eine CD mit den Musikstücken liegt diesem Büchlein bei.

Kröpelin

Kröpelin

Dörte Suhling

Die Schuhmacherhauptstadt des Nordens

Galerieholländerwindmühle
Galerieholländerwindmühle

Auf halber Strecke zwischen den Hansestädten Rostock und Wismar liegt Kröpelin, eine typische mecklenburgische Kleinstadt. Die amtsfreie Stadtgemeinde, die nördlich von der Kühlung, einer bis knapp 130 m hohen Erhebung, begrenzt wird, bildet als zentraler Ort in der Region ein Unterzentrum im Landkreis Rostock. Die Ostsee mit ihren Bädern Kühlungsborn und Rerik liegt nur etwa 10 km von Kröpelin entfernt. Heute leben etwa 4 800 Einwohner in der Kleinstadt.

Diese kurze Vorstellung würde wohl auch auf manch andere Kleinstadt im Landkreis Rostock, in Mecklenburg oder im Norden Deutschlands zutreffen. Und doch hat Kröpelin etwas Besonderes, was diese Stadt von anderen ihrer Größe unterscheidet: In Kröpelin hat das Schuhmacherhandwerk Tradition – es prägt u. a. die Entwicklung der Stadt und ihrer Umgebung wie kein anderes Handwerk.

Stadt mit slawischen Wurzeln

Kröpelin wurde erstmals im Jahr 1177 unter dem Namen „Crapelin“ urkundlich erwähnt. Neben einer ehemaligen slawischen Siedlung namens „crepelita“ entstand Ende des 12. Jahrhundert eine Dorfanlage, die sich im Besitz des Doberaner Klosters befand. Um 1250 wurde der Ort Kröpelin in einer Urkunde von Fürst Heinrich Borwin III. (1220–1278) erstmals als Stadt bezeichnet. Historiker gehen aber davon aus, dass Kröpelin das lübische Stadtrecht schon um 1249 verliehen wurde.

Schuhmacher und Kröpelin

das Stadtmuseum und das Ostrockmuseum.
das Stadtmuseum und das Ostrockmuseum.

Das Schuhmacherhandwerk hat in Kröpelin eine lange Tradition. In den Hochzeiten des Handwerks um 1867 gab es in der Stadt und ihrer nahen Umgebung einmal 135 Schuhmacher bei nur 2 200 Einwohnern. Jeder einzelne Handwerker war in der Lade der Schuhmacher im Innungsbuch der Handwerker von Kröpelin einzeln aufgelistet. Damit galt Kröpelin schon im Mittelalter als die „Schuhmacherhauptstadt von Mecklenburg“.

Die direkte Lage von Kröpelin an der Handelsstraße zwischen den Hansestädten Rostock über Wismar nach Lübeck war für die Lebensumstände der Schuhmacher in der Stadt sehr positiv. Daneben fuhren die Schumacher auf die Märkte in den naheliegenden Städte und konnten dort ihre Schuhe und Stiefel verkaufen.

Ende des 19. Jahrhundert zogen immer mehr Menschen nach Kröpelin. Im Jahre 1883 wurde der neue Bahnhof der Kleinstadt eröffnet. Andere Handwerker wie Bäcker oder Schreiner, aber auch Kolonialwarenhändler siedelten sich an. Kröpelin entwickelte sich zur Handwerkerstadt.

Maschinelle Produktion von Schuhen

Ende des 19. Jahrhundert, im Jahr 1893, baute der Schuhmachermeister Hans Koth seine Werkstatt in der Wismarschen Straße 25 in Kröpelin aus und gründete dort ebenfalls im Jahr 1893 eine Schuhreparaturfabrik.

Zu DDR-Zeiten wurde diese Fabrik in den VEB Schuhfabrik umbenannt. Bis zu Schließung der Fabrik im Jahr 1985 wurden hier von knapp 60 Arbeitern und Arbeiterinnen bis zu 300 Paar Schuhe täglich gefertigt, vorrangig Arbeitsschuhe und Filzstiefel für die NVA.

Der letzte Schuhmachermeister von Kröpelin

Rathaus
Rathaus

Heute arbeitet nur noch ein Schuhmachermeister in Kröpelin, in der Stadt, die in ihrer Entwicklung wie keine andere von diesem Handwerk geprägt wurde. 90 Jahre ist Alfred Gehrmann schon alt, aber immer noch tagtäglich in seiner Garage, die er als Werkstatt ausgebaut hat, anzutreffen.

Seit 1985 arbeitet er als selbstständiger Schuhmachermeister. Seine Kunden kommen aus Kröpelin, Rostock und Berlin. Im Sommer herrscht bei Alfred Gehrmann Hochbetrieb. Viele Urlauber sammeln die Schuhe übers Jahr, um sie während des Ostseeurlaubs nach Kröpelin zur Reparatur zu bringen oder ums sie neu besohlen zu lassen.

Schuhmacher vs. Schuster

Oft wird Kröpelin auch als „Schusterstadt“ bezeichnet. Das hören die Schuhmachermeister, also die heutigen und ehemaligen Kollegen von Alfred Gehrmann, gar nicht gern. Schuhmacher ist eine Handwerkerbezeichnung, ein Ausbildungsberuf. Schuster hingegen die verkürzte Bezeichnung für Flickschuster, was laut Duden eine Umschreibung für Ausbesserer, Stümper, Amateur oder Dilettant ist. Und als solche wollen die Schuhmacher von Kröpelin auf gar keinen Fall bezeichnet werden.

Heute ist an verschiedenen Ecken von Kröpelin die Schuhmachertradition noch immer gegenwärtig. Sei es durch überdimensional große Schuhe, die den Besuchern beim Gang durch die Stadt immer wieder begegnen, oder im Schuhmachermuseum, wo sich der das Leben der Schuhmacher in Kröpelin nochmal intensiv nachvollziehen lässt.

*****


Bildquellen:

Blick auf die Mühle vom Markt Von Ch. Pagenkopf - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35...

Galerieholländerwindmühle Von Die silberlocke aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16...

Das Gebäude Hauptstraße 5 beherbergt die Stadtbibliothek, das Stadtmuseum und das Ostrockmuseum. Von Bluseser2805 - Photographie 16. Oktober 2015., CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44...

Rathaus Von An-d - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27...