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Wilfried Bütow
Kennst du Heinrich Heine?

Kunstfertig in vielen Genres, geht Heine souverän mit den Spielarten des Komischen um, erweist sich als ein Meister der Ironie und der Satire und weiß geistreich und witzig zu polemisieren.
Doch hatte er nicht nur Freunde. Erfahre mehr vom aufreibenden Leben Heines, wie er aus Deutschland fliehen musste, in Paris die Revolution von 1830 erlebte und den großen Goethe zu piesacken versuchte.


 

Wie die Ostseebäder entstanden

Dörte Suhling

Heiligendamm in Mecklenburg. 1793 gegründet, gilt das Ostseebad als erstes Seebad Kontinentaleuropas und Begründerin der Bäderarchitektur.
Heiligendamm in Mecklenburg. 1793 gegründet, gilt das Ostseebad als erstes Seebad Kontinentaleuropas und Begründerin der Bäderarchitektur.

Die Ostsee mit ihren langen flachen Sandstränden und den abwechslungsreichen Küstenabschnitten gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen in Deutschland. Besonders Familien mit Kindern verbringen in den bekannten Ostseebädern der mecklenburgischen Küste wie Boltenhagen, Kühlungsborn und Warnemünde, Binz, Sellin und Göhren auf der Insel Rügen oder den Kaiserbädern Heringsdorf, Bansin und Ahlbeck auf der Insel Usedom gern ihre Ferien. Doch wie entstanden eigentlich die Ostseebäder und wie verlief ihre Entwicklung zu den Ferienzielen, die sie heute sind?

Heiligendamm machte den Anfang

Als erstes deutsches Seebad der Ostsee machte 1793 Heiligendamm, gegründet vom damaligen Großherzog von Mecklenburg Friedrich Franz I. (1756­–1837), von sich reden. Anfänglich ging es in Heiligendamm sehr bescheiden zu. Das Baden in der Ostsee geschah von eigens dafür geschaffenen Badeschiffen aus, die abseits vom Strand ankerten. Später wurden die Schiffe durch Badekarren an Strand ersetzt.

Die charakteristischen Bauten am Strand von Heiligenkamm entstanden erst Jahre später. Das vorwiegend im klassizistischen Stil errichtete und weiß getünchte Villenensemble bot den Herrschaften eine standesgemäße Unterkunft während des Badeaufenthaltes an der Ostsee. Und Heiligendamm, das seit dem Bau der weißen Villen den Beinamen „Weiße Stadt am Meer“ trägt, entwickelte sich zu einen der besten Adressen des gesellschaftlichen Lebens in Europa.

Putbus – das älteste Seebad auf Rügen

Auch auf der Insel Rügen fand man Gefallen am Baden in der Ostsee. Inspiriert vom Erfolg des Ostseebads Heiligendamm wollte auch Fürst Wilhelm Malte zu Putbus (1783–1854) seinen Gästen das Erlebnis des Ostseebadens bieten. 1815 gründete er deshalb sein Seebad Putbus-Lauterbach.

Auch Fürst Wilhelm-Malte ließ ab 1815 Villen im klassizistischen Stil bauen, die ringförmig angeordnet und weiß angemalt wurden. So entstanden bis 1860 das Theater, der Marstall, die Orangerie, der Circus, das Badehaus Goor und das Pädagogium, seit 1836 eine Lehrstätte für pädagogische Berufe. Einer der bekanntesten Schüler des Pädagogiums war von 1953–1957 Egon Krenz (geb. 1937), der letzte SED-Generalsekretär und Staatsratsvorsitzende der DDR.

Bäderarchitektur als besonderes Kennzeichen der Ostseebäder

Seebrücke des Ostseebads Prerow in Nordvorpommern
Seebrücke des Ostseebads Prerow in Nordvorpommern

Mit Heiligendamm und Putbus-Lauterbach war endgültig der Anfang für die Entwicklung des Badewesens gemacht. 1820 wurde auch mit Swinemünde auf der Insel Usedom ein Ostseebad eröffnet. Kurz darauf folgte das ehemals sehr einfache Fischerdorf Heringsdorf, 1851 dann Zinnowitz. Auch auf Rügen entstanden nach dem Vorbild von Heiligendamm und Putbus weitere Seebäder: 1881 Göhren und Binz und 1887 Sellin.

Die größten Seebäder Ende des 19. Jahrhunderts waren die Ostseebäder Warnemünde, Ahlbeck und Heringsdorf. Jedes der neu gegründeten Seebäder hatte eine eigene und reizvolle Architektur, die Bäderarchitektur, die eigentlich Seebäderarchitektur heißen müsste. Die Bäderarchitektur ist weder eine Stilrichtung noch eine spezielle Baugattung, sondern vielmehr ein Sammelsurium hinsichtlich der Kunststile und der verwendeten Baumaterialien. Die Bauten der Bäderarchitektur waren anfänglich einfache Pensionen mit vorgesetzter Holzveranda, wie sie heute noch z. B. am Alten Strom im Ostseebad Warnemünde zu beobachten sind.

Ostseeurlaub für jedermann

Greifswalder Bodden: Lauterbach
Greifswalder Bodden: Lauterbach

Mit der Verabschiedung der Bismarck’schen Sozialgesetze 1873 begann die eigentliche Blütezeit der Bäderarchitektur, die bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges reichte. Fortan konnten sich auch weniger betuchte Bürger einen Urlaub an der Ostsee leisten. Durch den Ausbau der Eisenbahnstrecken und den direkten Anschluss vieler Ostseebäder gelangte eine Vielzahl von Gästen an die Ostsee. Die Folge war ein Bauboom in den Ostseebädern. Es entstanden mehrgeschossige Villen mit Erkern, Balkons und kleinen Türmchen, Musikpavillons, Seebrücken, Kurhäuser und Badeanstalten.

Unterschiedliche Architektur in den drei Ostseeregionen

Die in den drei Ostseeregionen Rügen, Usedom und mecklenburgische Osteeküste entstandenen Bauten der Bäderarchitektur unterscheiden sich zum Teil sehr deutlich voneinander.

Bauboom an der mecklenburgischen Küste

Typisch für die Bebauung der Küste Mecklenburg ist das Ostseebad Warnemünde. Mit der Eröffnung des Eisenbahnanschlusses 1886 strömten regelrecht Urlaubermassen in die Nähe von Rostock. Neben den Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten einfachen Pensionen brauchte es nun große Bauten, um alle Gäste unterzubringen. Diese entstanden z. B. im Strandweg, in der Kurhausstraße oder am Leuchtturm. Die neuen Bauten wurden in einer sehr sachlichen und eher zweckmäßigen Bauweise errichtet.

Auch weiter östlich, etwa in den Orten Graal oder Müritz, wurde viel gebaut. Selten besaß ein neues Haus keinen Balkon oder keine Loggia. Außerdem wurden die Bauten reichlich verziert. Beide Orte, die durch eine Promenade miteinander verbunden waren, besaßen mindestens eine Seebrücke.

Bäderbauen auf Rügen und Usedom

Auf der Insel Rügen wurden zunächst einfache Unterkunftsbauten errichtet. Die vorgesetzten Holzveranden waren meist reich mit Sägearbeiten oder Schnitzereien verziert. Später wurden die Bauten auch hier größer und trugen ähnliche Schmuckelemente. Noch heute findet man in allen Ostseebädern der Insel vom Bäderstil inspirierte Villen und Bauten.

Ganz anders verlief die bauliche Entwicklung auf Usedom, wo Pensionen und Villen von Anfang an massiv gebaut und mit Säulen oder Stuckelementen versehen wurden. Die Nobelhotels der Kaiserbäder erinnern an die französische Renaissance.

Bei allen Unterschieden haben alle Bauten der Bäderarchitektur eines gemeinsam: die Bauten wurden zum Zwecke der Erholung und der Unterbringung während des Ostseebadeurlaubs errichtet. Und diesen Zweck erfüllen die teilweise prächtigen Villen auch noch heute.

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Bildquellen:

Heiligendamm in Mecklenburg. 1793 gegründet, gilt das Ostseebad als erstes Seebad Kontinentaleuropas und Begründerin der Bäderarchitektur., Von Restauriert durch Hans-Jürgen Herbst - Archiv Godewind Verlag, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11...


Seebrücke des Ostseebads Prerow in Nordvorpommern By Simon Koopmann - Own work, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35...

Greifswalder Bodden: Lauterbach Von Hedwig Storch - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22...