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Johannes E. R. Berthold
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wahrhaftige Geschichten aus einer wundervolle Kindheit auf dem Land

Groß Nemerow

Groß Nemerow

Dörte Suhling

Idyll am Ufer des Tollensesee

Mitten im „Land der tausend Seen“, wie die Mecklenburger ihre Seenlandschaft oft liebevoll bezeichnen, liegt Groß Nemerow. Zu der administrativ zum Amt Stargarder Land gehörenden Gemeinde gehören neben dem namensgebenden Ort Groß Nemerow die Ortsteile Klein Nemerow und Tollenseheim, beide direkt am Ufer des Tollensesees gelegen, sowie Krickow und Zachow. Insgesamt leben in der Gemeinde im südlichen Speckgürtel der Kreisstadt Neubrandenburg heute knapp 2 000 Menschen.

Mit seinen sehr großen und bis zu winzig kleinen Seen gehört auch die Umgebung von Groß Nemerow zu einem Urlaubsparadies für Wassersportler, Angler und alle Ruhesuchenden. Auch im Hochsommer findet hier noch jeder sein eigenes Plätzchen zum Baden, Erholen und zum Auftanken der körpereigenen Akkus. Und wer die städtische Hektik auch im Urlaub nicht missen will, findet nach kaum zehn Minuten Fahrzeit in nördlicher oder südlicher Richtung in Neubrandenburg oder Neustrelitz den gewünschten Ausgleich.

Ort mit slawischer Geschichte

Wie der Ortsname mit der Endung „ow“ schon vermuten lässt, ist die Geschichte von Groß Nemerow und Umgebung eng mit den Slawen verbunden. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus einer Schenkungsurkunde vom 18.08.1170, in der die Schenkung des Dorfes namens Nimyrow als eines von 33 Dörfern der Umgebung zu Ehren der Gründung des Kloster Broda besiegelt wurde. Der Name „Nimyrow“ stammt aus dem Slawischen und bedeutet so viel wie „Ort des Unfriedens“.

Seit dem Jahr 1298 trägt der Ort nahe des Tollensesees, der seit 1244 zwischenzeitlich Nimirow hieß, den Name Nemerow. Ebenfalls Ende des 13. Jahrhunderts erfolgte die Trennung des Dorfes in die Ortsteile Groß und Klein Nemerow. Im selben Jahr errichtete Ulrich Swave, der bereits als Komtur in Braunschweig in den Diensten des Johanniterordens stand, bei Klein Nemerow eine Konturei, die bereits 1302 ihre Arbeit aufnahm.

Nach der Reformation blieb der Orden noch einige Zeit katholisch und trotzte der Säkularisation, bis Johann Albrecht I, Herzog zu Mecklenburg (1525-1576) die Reformation 1549 in allen Landesteilen von Mecklenburg durchsetzte. 1628 zog Wallenstein die Komturei Nemerow für sich ein.

Nach den Beschlüssen des Westfälischen Friedens gehörten Groß und Klein Nemerow seit 1648 zum Herzogtum Mecklenburg-Güstrow, das später in das Teilherzogtum Mecklenburg-Schwerin überging, ehe 1701 das neue Herzogtum Mecklenburg-Strelitz gegründet wurde. Fortan nahmen die Ortsteile Groß und Klein Nemerow eine etwas andere Entwicklung.

Gutsbesitz Klein Nemerow

Nach der Gründung des Gesamtherzogtums Mecklenburg-Strelitz wurde Klein Nemerow zunächst ein selbstständiges Amt. Mittelpunkt des Dorfes war der Gutshof mit großen, landwirtschaftlich genutzten anliegenden Landflächen. Erst 1794 wurde der Ort dem Amt Stargard zugeteilt. Der Pächter Ernst Siemerling errichtete 1886 das noch heute existierende Gutshaus. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und ein Großbrand im Ort trieben den letzten Pächter des Gutshauses in den Ruin. So wurde zu Beginn der 1930er-Jahre der gesamte Gutsbesitz samt Gutshaus von der Deutschen Siedlungsbank mit 14 Familien aufgesiedelt. Eine der Siedlerfamilien, die Familie Bruno Thamm, übernahm das alte Gutshaus und eröffnete 1933 direkt am Ufer des Tollensesees unter dem Namen „Haidehof“ eine gut florierende Fremdenpension mit angeschlossener Ausflugsgastronomie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie Thamm enteignet, die Gaststätte aber als Konsumgaststätte „Heidehof“ weitergeführt. 1950 wurde der Ort Klein Nemerow als Ortsteil der Gemeinde Groß Nemerow eingemeindet. Seit 1997 gehört das Seehotel „Heidehof“ zu einem der beliebtesten Herbergen der Region.

Angerdorf Groß Nemerow

Anders als der Nachbarort Klein Nemerow war Groß Nemerow von jeher ein Angerdorf, in dem die etwa 20 Bauerhöfe jeweils weitervererbt oder erbverpachtet wurden. Besonders sehenswert ist die 14. Jahrhundert errichtete Dorfkirche, einer der wenigen noch erhaltenen Feldsteinquaderbauten in Mecklenburg. Die im gotischen Stil errichtete Kirche mit dreiteiligen Rundbogenfenstern erhielt deutlich später, wahrscheinlich im 18. Jahrhundert, einen Fachwerkturm. Eine selbstständige Pfarrei bestand in Groß Nemerow bis 1671. Heute wird der Ort von der Pfarre in Ballwitz betreut.

Groß Nemerow war zu DDR-Zeiten ein Modellprojekt der sozialistischen Dorferneuerung. Diesem Status hat der Ort auch heute noch die gute Infrastruktur mit Kindertagesstätte, Einkaufsmöglichkeiten, Gewerbegebiet und verkehrstechnischer Anbindung an die naheliegende Kreisstadt Neubrandenburg und an Neustrelitz zu verdanken. Die ehemalige Grundschule ist allerdings inzwischen geschlossen worden.

Die Ortsteile Krickow, Tollenseheim und Zachow

 Dorfkirche Zachow
Dorfkirche Zachow

Die restlichen Ortsteile der Gemeinde Groß Nemerow sind weniger bekannt als die beiden namensgebenden Dörfer, aber deshalb nicht weniger reizvoll und interessant. Gerade das kleine Örtchen Tollenseheim direkt am Ufer des Tollensesees ist ein viel besuchter Ausflugsort für Urlauber und Einheimische. Die dort 1956 eingerichtete Landwirtschaftsschule wird auch heute noch betrieben.

Krickow gehört zum ältesten Teil der Gemeinde, der schon lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung 1290 bestanden haben muss. Zusammen mit der Siedlung Nonnenmühle gehörte es zum nahegelegenen Kloster. Der Ort bestand ursprünglich aus sieben Pachthöfen und einer Dorfkirche, von denen nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg nur einer wieder aufgebaut wurde.

Wie Krickow gehörte auch das ehemalige Angerdorf Zachow zu den Ländereien des Klosters. nach Reformation und Säkularisation wurde der Ort dem Amt Strelitz zugeordnet, bevor es in den 1950er-Jahren Teil der Gemeinde Groß Nemerow wurde.

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Bildquellen:

Groß Nemerow, der Teich Von Dguendel - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47...

Dorfkirche Zachow, eingemeindeter Ortsteil der Gemeinde Groß Nemerow, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Von LasseG - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86...

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