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Christoph Werner

Schloss am Strom
Roman


Schinkel kämpft in seinen Fieberträumen um die Vollendung seines Bildes "Schloss am Strom". Er durchlebt auf seinem Krankenbett noch einmal sein erfülltes und von krankmachendem Pflichtgefühl gezeichnetes Leben und die Tragik des Architekten und Künstlers, der sich zum Diener des Königs machen ließ

Die Blaubeerstadt Eggesin

Die Blaubeerstadt Eggesin

Dörte Suhling

Kleinstadt im Land der drei Meere

Wer zu DDR-Zeiten in die vorpommersche Kleinstadt Eggesin kam, tat das größtenteils nicht freiwillig, sondern wurde im Rahmen seines Wehrdienstes hierher beordert. Den Dienst im bekanntesten Militärstandort des Ostens zu verrichten, im „Land der drei Meere“ – Waldmeer, Sandmeer und gar nichts mehr – war damals für viele eine Reise in die Verbannung. Dabei befindet sich Eggesin in einem der größten zusammenhängenden europäischen Waldgebiete, landschaftlich reizvoll gelegen am Stettiner Haff.

Vor über 800 Jahre hat alles begonnen

Eggesin wurde im Jahr 1216 erstmals von den pommerschen Herzögen Kasimir II. und Bogislaw II. urkundlich erwähnt. Das ehemals slawische Dorf wurde als „Gizin“ oder „Gizyn“ bezeichnet, was zu Deutsch so viel wie „Zusammenfluss“ bedeutet und auf die Lage des Ortes an den Flüssen Randow und Uecker zurückzuführen ist. Ende des 13. Jahrhunderts wurde dem Ortsnamen ein „E“ vorangestellt. Fortan hieß das Dorf „Egezyn“ bzw. ab 1302 dann „Eksin“.

Als nach dem Dreißigjährigen Krieg die Zahl der Bewohner in Eggesin und des Nachbardorfes Gumnitz auf insgesamt neun Bauernhöfe zusammengeschrumpft war, begann eine aktive Besiedlung der Orte mit Bauern, Fischern, Köhlern und anderen Berufsgruppen. Die erste Eggesiner Fachwerkkirche wurde um 1731 geweiht.

Industrialisierung in und um Eggesin

Im ersten Drittel der 19. Jahrhunderts begann auch in Eggesin ein industrieller Aufschwung. Die erste Ziegelei des Ortes wurde um 1818 eingeweiht, später kamen weitere hinzu. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es im Dorf zwölf Ziegeleien, drei Säge- und drei Windmühlen sowie eine Eisengießerei und eine Kistenfabrik. Große Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung hatte der Anschluss des Ortes Eggesin an die Bahnstrecke von Jatznick nach Ueckermünde, die 1884 eröffnet wurde.

Von der wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes profitierten auch die Einwohner Eggesins. So wurde 1884 die Freiwillige Feuerwehr des Ortes gegründet. Neben dem Bau der neugotischen Martin-Luther-Kirche, der im Jahr 1911 fertiggestellt wurde, begann man ab 1913, die Haushalte des Ortes an die elektrische Stromversorgung anzuschließen.

Die Kahnschifferei auf den Flüssen Randow und Uecker entwickelte sich ab 1840 zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig. Neben landwirtschaftlichen Waren beförderten in der Hochzeit bis zu 70 Schiffer auf ihren Kähnen vor allem Ziegel und Erze von Eggesin nach Ueckermünde am Stettiner Haff, wo die Waren weiter verschifft wurden.

Eggesin wird Rüstungsstandort und Garnisonsstadt

Zu Beginn der 1930er-Jahre entstanden in Eggesin nicht nur die neue Rüstungsbetriebe Luftmunitionsanstalt (MUNA) und Deutsche Sprengchemie GmbH, sondern auch neue Wohngebiete für die dort beschäftigten Arbeiterinnen und Arbeiter. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges entwickelte sich Eggesin mit der Stationierung von Volkspolizei und Nationaler Volksarmee zur Garnisonsstadt.

Eggesin erhält Stadtrecht

Kasernengelände bei Eggesin
Kasernengelände bei Eggesin

Durch die Ansiedlung der bewaffneten Organe wuchs die Zahl der Bewohner von Eggesin stark an. Mit Schulen, Landambulatorium und anderen Einrichtungen wurde auch die benötigte soziale Infrastruktur geschaffen. Zu Ehren des 750-jährigen Jubiläums wurde dem Ort Eggesin am 7. August 1966 offiziell das Stadtrecht verliehen, auch wenn die für eine Stadt typische Einwohnerzahl von 10 000 mit etwa 6 500 Einwohnern nicht erreicht wurde.

Nach der Inbetriebnahme eines Elektromotorenwerkes in Eggesin im Jahr 1971 wurde auch der Wohnungsbau in der Stadt verstärkt. Bis 1990 entstanden knapp 1 000 neue Plattenwohnungen und die entsprechenden Sozialeinrichtungen in Eggesin.

Nach der deutschen Einheit ändert sich vieles

Der Rastplatz befindet sich in einem Seitenarm der Randow nahe Eggesin
Der Rastplatz befindet sich in einem Seitenarm der Randow nahe Eggesin

Mit der Schließung des Elektromotorenwerkes und dem Abzug der Militärs verschwinden die größten Arbeitgeber der Region, und die hat es fortan schwer: die Industrie ist größtenteils abgewandert, die verbliebenen Einwohner sind größtenteils auf Einnahmen aus dem Fremdenverkehr angewiesen. Doch der langjährige Status als Geheimtipp hat sich inzwischen überlebt, es braucht neue Ideen.

Eggesin, seit 2005 Verwaltungssitz des Amtes „Stettiner Haff“ im Landkreis Vorpommern-Greifswald, hat ein besonderes Flair. Die Stadt an den Flüssen Uecker und Randow ist seit 2012 gleichzeitig Standort des Besucherzentrums des Naturparks „Stettiner Haff“.

Im mitten in der Stadt gelegenen Rathaus, einem der seltenen noch vollständig erhaltenen Vierseitenhof, finden neben Verwaltung auch Kunst und Kultur eine neue Heimat. Mit dem liebevollen Beinamen „Blaubeerstadt“, mit dem jährlichen Blaubeerfest oder dem Brennholztag versucht die Stadt, auf den natürlichen Reichtum der Region hinzuweisen. Trotzdem bilden der Wegzug vor allem junger Menschen, die der Stadt aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit in der strukturschwachen Region um Eggesin den Rücken kehren, sowie erstarkende rechte politische Tendenzen, die generell in Vorpommern auftreten, große Probleme.

Fotos:

Vorschaubild, der neugestaltete Rosengarten im Zentrum der Stadt Eggesin Von Thomas Böhme - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25...

Kasernengelände bei Eggesin Von Thomas Böhme - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46...

der Rastplatz befindet sich in einem Seitenarm der Randow nahe Eggesin Von Thomas Böhme - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25...

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17367 Eggesin

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