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Die Päpste als Friedensvermittler

Der Kirchenhstoriker Stefan Samerski stellt die Friedenspolitik und -Arbeit des Heiligen Stuhls in der modernen Zeit heraus.

Sternberg – Wasserparadies in der Mitte von Mecklenburg-Vorpommern

Sternberg – Wasserparadies in der Mitte von Mecklenburg-Vorpommern

Dörte Suhling

Fast mittig in Mecklenburg-Vorpommern liegt die Kleinstadt Sternberg. Eingebettet in die Sternberger Seenlandschaft des gleichnamigen Naturparks verfügt die als Stadt über eine äußerst reizvolle, abwechslungsreiche landschaftliche Umgebung mit sehr viel Wasser. Aufgrund der zentralen Lage in einem Viereck zwischen den Bundesautobahnen A 14, A 19, A 20 und A 24, wo zudem die Bundesstraßen B104 und B109 aufeinandertreffen, ist Sternburg ein idealer Ausgangspunkt für Erkundungstouren in Mecklenburg, lassen sich doch die großen Hansestädte Rostock und Wismar, aber auch die Landeshauptstadt Schwerin und die Ostseeküste von hier aus sehr schnell erreichen.

Neben dem mit mehr als 90 Seen unglaublich großen Wasserreichtum hat die Umgebung der im Landkreis Ludwigslust-Parchim liegenden Kleinstadt, in der heute rund 4 200 Einwohnerinnen und Einwohner leben, auch verschiedene kulturhistorische Kostbarkeiten zu bieten, die von einer wechselvollen Vergangenheit zeugen. Dazu zählen insbesondere das archäologische Freilichtmuseum Groß Raden und die im frühgotischen Stil errichtete Backsteinkirche in Sternberg.

Sternberg als ehemalige Landtagsstadt

In der Nähe einer ehemals slawischen Burganlage wurde im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts einen Siedlung gegründet, deren Name Sterneberg von dem der Burg abgeleitet wurde. Das slawische „sterro“, niederdeutsch „Sterne“, stand für Glück, das Burg und Siedlung haben sollten. Im Jahre 1248 wurde der Siedlung von Fürst Pribislaw (1224–1275) das Parchimer Stadtrecht verliehen. Die ab 1261 zum Fürstentum Mecklenburg gehörende Stadt wurde 1275 Landtagsstadt von Mecklenburg und behielt diesen Status bis 1918, ab 1621 allerdings im Wechsel mit Malchin.

Als Lieblingsresidenz von Heinrich II. (1266–1329) begann Ende des 13. Jahrhunderts die eine Blütezeit für Sternberg. Das Heilig-Geist-Hospital entstand ebenso wie die frühgotische Stadtkirche, die 1322 um einen 66 Meter hohen Turm erweitert wurde.

Wallfahrts- und Reformationsort Sternberg

Ein dunkles Kapitel in der Stadtgeschichte Sternbergs wurde Ende des 15. Jahrhunderts eröffnet. 1492 wurden 27 Juden, die der Schändung von Hostien beschuldigt wurden, nach einem öffentlichen Schauprozess auf einem Scheiterhaufen einem Hügel vor der Stadt, der noch heute den Namen Judenberg trägt, bei lebendigem Leibe verbrannt. Weitere über 250 Juden wurden aus Mecklenburg ausgewiesen. Die angeblich geschändeten Hostien, die in „Kapelle des heiligen Blutes“ in der Sternberger Stadtkirche aufbewahrt wurden, wurden jedes Jahr von mehrere tausend Pilgerer besucht, was der Stadt große Einnahmen generierte. Die jüdische Gemeinde hingegen versah das Land mit einem Bann, der Juden verbot, Mecklenburg zu betreten, der erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts aufgehoben wurde.

An das Jahr 1549, in dem von der Sagsdorfer Brücke in Sternberg aus die Reformation in Mecklenburg eingeleitet wurde, erinnert heute an gleicher Stelle ein übermannsgroßer Findlingsstein mit Gravur, in der dieses geschichtliche Ereignis festgehalten wurde.

Slawischer Tempelort Groß Raden

Groß Raden, nur wenige Kilometer von Sternberg entfernt, gehört heute zu den wichtigsten Zeugnissen slawischer Geschichte in Mecklenburg-Vorpommern. Hier stand von mehr als tausend Jahren eine Tempelanlage der Warnower, einem zu den Obotriten gehörenden westslawischen Volksstamm. 1973 wurden die auf einer Halbinsel des Groß Radener Sees kaum noch erkennbare Ringwallanlage und die zugehörige slawische Siedlung von Archäologen ausgegraben. Heute können Besucher im Freilichtmuseum Groß Raden neben der Anlage selbst auch verschiedene Werkzeuge, Schmuckstücke und Münzen aus der frühmittelalterlichen Slawenzeit bestaunen. Jedes Jahr finden verschiedene Veranstaltungen in Groß Raden statt, bei denen historische Wettkämpfe und Spiele, aber auch der Alltag in der slawischen Siedlung gezeigt werden.

Die Sternberger Seenlandschaft

Über 90 Seen und Gewässer umfasst die Umgebung des Naturparks „Sternberger Seenlandschaft“, der nicht nur Gästen, sondern auch vielen Tier- und Pflanzenarten einen willkommenen Rückzugsort bietet. Von glasklaren Quellgewässern bis hin zum etwas „wilderen“ Durchbruchstal der Warnow, dem zweitgrößten Fluss Mecklenburgs, findet jeder Besucher hier seine Lieblingswasserstelle. Das Gebiet lässt sich sowohl zu Fuß oder auf dem Fahrrad als auch auf dem Wasser erkunden und ist damit ein Paradies für alle Wasserliebhaber. Nicht zuletzt wegen der wasserreichen Umgebung darf sich die Kleinstadt Sternberg heute mit dem ´Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“ schmücken.

Der historische Stadtkern von Sternberg

Trotz mehrerer Großbrände und verschiedener Kriegshandlungen ist fast die gesamte historische Innenstadt von Sternberg erhalten geblieben. Neben der frühgotischen Stadtkirche sind besonders die Stadtmauer mit dem Mühlentor und den Wallanlagen sowie der heute unter Denkmalschutz stehende Marktplatz mit seinen Fachwerkhäuern und dem inzwischen rekonstruierten Rathaus sehenswert.

Der „Sternberger Kuchen“

Eine Besonderheit der Stadt ist im ältesten Bürgerhaus der Stadt zu sehen, in dem sich auch das Heimatmuseum befindet. Im Haus in der Mühlenstraße 6 lernen Besucher auch den „Sternberger Kuchen“ kennen, können allerdings nicht davon kosten. Denn dieser Kuchen ist schon 30 Mio. Jahre alt und besteht aus Sandstein, der durch verschiedene Eiseneinschüsse gelb, grau bis schokobraun gefärbt ist. Die Ränder des „Kuchens“ sind mit Muscheln, Schneckenhäusern und anderen Resten urzeitlicher Bewohner besetzt, die dem Sandstein sein kuchenähnliches Aussehen verleihen.


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Bildquellen:

Vorschaubild: Blick auf den Sternberger Markt, 2008, Urheber: User:Alma via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Stadtkirche Sternberg, 2009, Urheber: Niteshift via Wikimedia Commons CC BY 3.0.

Sagsdorfer Brücke über der Warnow, 2009, Urheber: Global Fish via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Archäologisches Freilichtmuseum Groß Raden, Urheber: Dolenzia via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Badesteg Kleinpritzer See, 2018, Urheber: OllySchmidt via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Sternberger Stadtmauer mit Mühlentor, 2007, Urheber: Niteshift via Wikimedia Commons CC BY 2.5.

Heimatmuseum Mühlenstraße 8, 2010, Urheber: Ch.Pagenkopf via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.


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