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Karlheinz Fingerhut 
Kennst du Franz Kafka?

Was für ein komischer Kauz muss dieser Kafka wohl gewesen sein, dass kaum ein Lehrer so recht weiß, wie ihn vermitteln. Dabei ließen sich Kafkas Texte mit Träumen vergleichen, und die kennt doch jeder.
Karlheinz Fingerhut ermöglicht in diesem Buch einen leichteren Zugang zum Menschen Kafka und zu seinen teils verwirrenden Werken.

Parchim

Parchim

Dörte Suhling

Eine der ältesten Städte Mecklenburgs

Eingebettet in die landschaftlich reizvolle Umgebung zwischen der Sternburger Seenlandschaft im Norden und der Mecklenburgischen Seenplatte im Südosten liegt Parchim. Nur knapp 40 Kilometer von der Landeshauptstadt Schwerin entfernt liegt die Kreisstadt des Landkreises Ludwigslust-Parchim im Westen des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. In der Kleinstadt leben heute etwa 18 000 Einwohnerinnen und Einwohner. Parchim wird von der Elde durchflossen, die innerhalb der Stadt zur Elde-Müritz-Wasserstraße kanalisiert wurde.

Der Name der Kleinstadt Parchim stammt ursprünglich von slawischem Namen „Parchom“, der wiederum vom russischen Wort „parch“ stammen soll, was zu Deutsch so viel wie „Lausbub“, „Schlingel“ oder als Schimpfwort „räudiger Hund“ bedeutet. Seit den 1920er Jahren wird Parchim von seinen Bewohnerinnen und Bewohnern liebevoll „Pütt“ genannt, der plattdeutsche Begriff für „Pfütze“, wahrscheinlich als Anspielung auf die Größe des Parchimer Wockersees.

Wie Parchim entstand

Die erste Besiedlung des Gebietes des heutigen Parchim durch westslawische Stämme links und rechts der Elbe reicht weit vor die Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung um 1170 durch Kaiser Barbarossa (1122–1190) zurück. Darin wurde die Burg Parchim in der den Grenzverlauf des Bistums Schwerin festlegenden Urkunde erstmals auch genannt. In einer weiteren Urkunde aus den Jahren 1225/26 wurden der Siedlung von den damaligen Landesfürsten weitreichende Privilegien eingeräumt, die als Parchimer Stadtrecht in die Geschichte eingegangen sind.

Mit Beginn des 13. Jahrhunderts wuchs die neue Stadt allmählich an, die heutige Altstadt von Parchim am rechten Ufer der Elde. Aus dieser Zeit stammt die noch heute erhaltene St.-Georgen-Kirche. Um 1240 wurde auch mit der Bebauung des linken Eldeufers begonnen und damit der Grundstein für die Parchimer Neustadt mit der St.-Marien-Kirche gelegt. 1282 vereinigten sich beide Stadtteile und schützten die nun fast mittig von der Elde durchflossene Stadt durch eine Stadtmauer aus Backstein. Zur schützenden Stadtbefestigung gehörten mit Kreuztor, Wockertor und Neuem Tor auch drei gewaltige Stadttore sowie ein Wallgraben im Süden der ehemaligen Neustadt.

Wirtschaftliches Zentrum im Westen Mecklenburgs

Die verkehrstechnisch günstige Lage zwischen Brandenburg und dem Ostseeraum sowie großflächig vorhandener Grund und Boden in der Umgebung von Parchim bildeten eine gute Basis für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, die sich in der Folge zu einer der bedeutendsten Städte Mecklenburg entwickelte. Das zeigte sich nicht nur daran, dass Landesherr Fürst Pribislaw II. in der Parchimer Burg residierte, sondern dass Parchim seit dem 14. Jahrhundert bei Verträgen der Landesfürsten Bürgschaften mittrug oder die Stadt bei Anliegen der mecklenburgischen Städte der Wortführer gegenüber der Landesherrschaft war.

Die mit den großen Entdeckungsreisen Ende des Mittelalters einsetzenden Veränderungen im Fernhandel führten nicht nur zum Niedergang der Hanse, sondern wirkten sich auch negativ auf die Bedeutung der Stadt Parchim aus.

Parchim als Verwaltungsstandort

Nachdem Parchim Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des ersten Weltkrieges Standort der Großherzoglich Mecklenburgischen Dragoner- und Reiterregimente war, wurde die Stadt 1921 Verwaltungssitz, der auch nach den Verwaltungsreformen von 1952 und 1994 erhalten blieb. Seit 2011 ist Parchim Kreissitz des Landkreises Ludwigslust-Parchim.

Der Traum vom Luftfrachtdrehkreuz in Parchim

Schon 1936 wurde im Westen der Stadt ein Militärflugplatz eingerichtet, der auch nach der Beendigung des Zweiten Weltkrieges von der NVA und der Roten Armee weiter genutzt wurde. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen im Jahr 1992 wurde der Flugplatz zivil genutzt, bevor der chinesische Inverstor Jonathan Pang 2007 alle Rechte am Flugplatz käuflich erwarb. Neben dem Ausbau des früheren Flugplatzes zu einem internationalen Luftfrachtdrehkreuz zwischen Asien und Europa zählten der Bau einer rd. 12 000 Quadratmeter großen Luxus-Shopping-Mall und die damit verbundene Schaffung vieler Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region um Parchim zu den Hauptzielen des Investors.

Aber bereits 2008 konnte Pang die fällige erste Kaufpreisrate an den damaligen Landkreis Parchim nicht zahlen und verkaufte daraufhin Teile des Flugplatzgeländes an eine australische Immobilienfirma. Ende 2010 wendete Pang durch die Bürgschaft einer chinesischen Bank die Schließung des Flugplatzes noch ab. Im Oktober 2011 begann der Bau des ersten Towers des neuen Flughafens. Nach der Eröffnung des Towers im Mai 2005 starteten in Parchim vor allem Trainingsflüge. In Hochzeiten wurden für den neuen Flughafen täglich etwa 3 000 Passagiere prognostiziert, vor allem aus China, Russland und dem arabischen Raum.

Leider gingen die Passagierzahlen von knapp 7 000 im Jahr 2014 auf 4 000 in 2015 immer weiter zurück. Nach zwei Jahren Kurzarbeit wurde Ende 2018 allen Beschäftigten des Flugplatzes gekündigt. Im Mai 2019 stellte die Flughafenbetreibergesellschaft einen Insolvenzantrag.


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Bildquellen:

Vorschaubild: Historisches Zentrum mit dem Wockersee, und zwei der Eldearme, welche die Stadt durchfließen.2018, Urheber: Foxvox89 via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Der thronende Kaiser Friedrich Barbarossa, Miniatur aus der Welfenchronik (Kloster Weingarten, 1179-1191) via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Rekonstruierte Planzeichnung der Stadt Parchim im Mittelalter, 1896, Urheber: Friedrich Schlie via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Flughafen Schwerin-Parchim: Tower und Flughafenterminal. 2016, Urheber: Mr. Pommeroy~dewiki via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

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