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Gabriel Machemer
Die Heimkehr der Hütchenspieler
Ein Kolportageroman

Der Student G. hat sich auf einem alten Fabrik­gelände in einer verfallenen Villa eingenistet. Dort muss er sich nicht nur mit der einsturzgefährdeten Decke, sondern auch mit dem Pächter herumschlagen. Doch G. weiß: Um seinen Lebenstraum zu erfüllen, muss er verharren und die widrigen Umstände aushalten. Nur so kann er ein Kulturzentrum errichten und seine eigene Diskothek eröffnen. Mit Witz und Ironie nimmt Gabriel Machemer in seinem neuen Roman menschliche Schwächen ins Auge. Sein Blick gilt den Kleinigkeiten, dem Unbeständigen, Ungewissen, in das er seine Charaktere schickt.

Hinterlandbühne Rügen e.V.

Hinterlandbühne Rügen e.V.

Sandra Pixberg

Der Mond als Beleuchtungsassistent

„Werd’ ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!“, bietet der Gelehrte Faust in der gleichnamigen Goethe-Tragödie dem Teufel zum Pakt an. Aus Erfahrung glaubt er zu wissen, dass er persönlich niemals dem Stillstand den Vorzug geben werden würde, dass er sich niemals zum Bösen verführen lassen, auch niemals ein Momentchen Glück gegen den Rest seines Leben eintauschen würde.

Wer Goethes Faust kennt, weiß, dass des Teufels Schliche, wie die Verjüngung des alternden Gelehrten, die Verführung des braven Gretchens sowie der drohende Unbill der anderen Leute, am Ende genau dazu führen, dass Faust sich wünscht, alles werde nur einen Augenblick noch verweilen.

Falls jemandem bei diesem Theaterstück bisher zum Lebendigwerden noch irgendetwas fehlte, dann weiß man nach der Aufführung im Pansevitzer Park bei Gingst, was es war: ein Vollmond, der hinter überschattenden Wolken, seinem persönlichen Geschmack folgend, sich als eigenwilliger Beleuchtungsassistent gibt. Fledermäuse, die durch das Scheinwerferlicht irritiert in das Dunkel des Parks flattern. Maulwurfhügel, die den eigenen Gang behindern. Eine Walpurgisnacht zwischen Gesträuch und Bäumen mit echten Fackeln und Feuern angeleuchtet. Ein Mephisto (Frank Benz, brillant), dessen Schweiß sich beim Herumwälzen als Pudel mit dem abendlichen Grastau mischt.

Im Halbdunkel beginnt das Theaterstück mit spielfreudigen Laien-, einem Profischauspieler, musikalischer Untermalung durch Instrumente und Chor vor und auf den Resten des Pansevitzer Schlosses. Das Publikum folgt den Schauspielern im Scheinwerferlicht acht Stationen lang durch den zwölf Hektar großen Landschaftspark vom Halbdunkel bis in die Dunkelheit. In der Pause finden sich die Zuschauer plötzlich selbst in Auerbachs Keller wieder, auf den Tischen vor ihnen stehen Rotwein, Käsestangen und Oliven.

Die natürlichen Faktoren, ein einstudierter Klassiker und das ins Geschehen einbezogene Publikum ist eine Mischung, die ihresgleichen sucht. Jede Aufführung ist anders, vieles bleibt den äußeren Umständen überlassen.

Das Werk und Leben des Weimarer Autors beschäftigt Initiator und Mitspieler Boris Hruschka (geb. 1967) aus dem nahen Schweikvitz schon länger. „Hier war Goethe nie“ hieß es im Jahr zuvor und meinte den Pansevitzer Schlosspark. Dabei scheint ein Konzeptteil für die Aufführungen in Pansevitz aus einem Naturführer zu entstammen: Sie treten nur bei Vollmond auf. Die Vollmondspaziergänge können Vorträge, Lesungen oder Theaterstücke sein. Oft sind es tatsächlich Spaziergänge durch den ausschließlich mit Kerzen beleuchteten Park, während der Schauspieler und Autor Boris Hruschka bekannte Lyrik rezitiert. In der besonderen Atmosphäre des Landschaftsparks, am Rande des Boldevitzer Forstes, verschmelzen Natur und Kultur zu ­einem einzigartigen Zusammenspiel. Mit Faust I war nun ­Goethe in gewisser Weise doch schon in dem Westrügener Schlosspark, allerdings postmortal.

Adresse und Kontakt

Hinterlandbühne Rügen e.V.

Schweikvitz 7

18569 Kluis

Telefon: +49 3838 313611

Email: info@rotekugel.com

Internet: www.rotekugel.com


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Textquelle:

Pixberg, Sandra: Rügen - 99 Besonderheiten der Insel, Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2017.

Bildquelle:

Sandra Pixberg.

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