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Michael Pantenius

Die Weinstraße Saale-Unstrut
Mit der Weinroute an der Weißen Elster und der Weinstraße Mansfelder Seen
Reiseführe

Als Weinliebhaber muss man nicht immer Richtung Süden fahren, um an gute Tropfen zu gelangen. Mitten in Sachsen-Anhalt finden sich Weinstandorte mit jahrhundertealter Tradition, kann man in einer landschaftlich schönen, an historischen Bauten reichen Umgebung erlesene Kreszenzen genießen.

In neun detailliert beschriebenen Touren lädt Autor Michael Pantenius dazu ein, die Weinstraße Saale-Unstrut – mit der Weinstraße Mansfelder Seen und der Weinroute an der Weißen Elster – kennenzulernen. Der reich bebilderte und mit Karten versehene Reiseführer enthält neben den Routenvorschlägen zu den lokalen Weingütern und Sehenswürdigkeiten ein Wein-ABC, Hinweise auf regionale Feste sowie Tipps zur Übernachtung und Gastronomie.

Unser Leseangebot
Standesamt Binz

Standesamt Binz

Sandra Pixberg

Das Ja-Wort im Rettungsturm

Vom rettenden Hafen spricht man, wenn die Ehe gemeint ist. Doch vom Rettungsturm? Ulrich Müther (1934–2007) hätte es sich zu Lebzeiten jedenfalls nicht träumen lassen, dass seine HP-Schale eines Tages als Außenstelle des Standesamtes Binz fungieren würde. Für derlei romantischen Schnickschnack wäre er wahrscheinlich schwer zu haben gewesen. Dennoch führte der kühle Ingenieur in der DDR ein „Ausnahmeleben“.

Das Werk von Müther umfasst rund 60 aufsehenerregende Hyparschalen mit öffentlichen Funktionen, die an der Ostseeküste, im Osten landesweit und im westlichen Ausland, wie die Planetarien in Tripolis, Wolfsburg und Helsinki, von Müther und seinen Mitarbeitern geplant, errechnet und gebaut wurden. Ästhetisch entsprechen die Dachkonstruktionen konsequent der in den 1960er und 1970er Jahren vorherrschenden Mode – bis heute rufen sie Bewunderung aufgrund des Schwungs und der Leichtigkeit hervor. Der nüchterne Ingenieur sah in ihnen aber in erster Linie eine mathematische Herausforderung.

Zu DDR-Zeiten gelang es ihm, zwischen Duldung und Anerkennung des Staates seine Bauprojekte zu verwirklichen. Diese Symbiose mit dem Staat ermöglichte es Müther einerseits, auf der Ostseeinsel ohne Parteibuch allerhand Privilegien zu erlangen. Andererseits baute er dem DDR-Regime „Sonderbauten“, damit die Gleichheit in den Neubaugebieten im Land nicht zu gleichförmig wurde.

Die Provinz gewährte dem Ingenieur Schutz vor zu viel staatlichem Einfluss. Die Ostseeküste war für ihn lebensbestimmend: bei der Berufsauswahl, für sein ästhetisches Empfinden, bei seinem Hobby Segeln.

Nach der Wende verschlechterten sich die Bedingungen und seine Firma musste aufgrund der Außenstände 1999 Insolvenz anmelden. Bei der Sanierung und Modernisierung „seines Teepotts“ in Warnemünde hatte er Anteil. Auch andere Bauten von ihm konnten so saniert werden, dass sie den heutigen Ansprüchen genügen. Einige Bauten zerfallen, andere – prominentestes Beispiel ist das Ahornblatt auf der Berliner Fischerinsel – wurden abgerissen. So auch der „erstgeborene“ Zwilling des Rettungsturms. Die Seebrücke war in der DDR einem Sturm zum Opfer gefallen und Müther bekam den Auftrag, an dieser markanten Stelle eine Strandwacht in charakteristischer Form zu schaffen. Die „Rettungsstation der Strandwache 1“ wurde nach dem Entwurf des für Müther arbeitenden Architekten ­Dietrich Otto (geb. 1943) im Jahr 1975 direkt vor Ort am Strand gegossen. Die eigens dafür hergestellte, zweiteilige Schablone übergossen Müthers Mitarbeiter mit Beton. Anschließend setzten sie die Teile wie Muschelschalen zusammen. Als man 1993 die Seebrücke erneuerte, opferte man für einen reibungslosen Ablauf der Bauarbeiten leichtsinnig dieses Stück DDR-­Geschichte. Glücklicherweise hat der 1981 in gleicher Weise gebaute Zwilling die Wirren der Wende überlebt.Sich das Ja-Wort in der „Rettungsstation der Strandwache 2“ zu geben, setzt für eine so große Herausforderung wie die Ehe bestimmt das richtige Zeichen.


Adresse und Kontakt

Standesamt Binz

Strandpromenade

Rettungsturm am Stranzugang Nr. 6

038393 / 37428

www.ostseebad-binz.de

*****

Textquelle:

Pixberg, Sandra: Rügen - 99 Besonderheiten der Insel, Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2017.

Bildquelle:

Sandra Pixberg.

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