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Kennst du Antoine
de Saint-Exupéry?

Karlheinrich Biermann

Großer Beliebtheit erfreut sich noch heute die Geschichte vom kleinen Prinzen, jenem philosophischen Märchen, das von Liebe, Freundschaft und Tod handelt. Darin geht Saint Exupery der Frage nach dem Sinn des Lebens nach und blickt zurück auf sein eigenes: das Abenteuer einer Bruchlandung, das Überleben in der Wüste, die Sehnsucht nach der verlorenen Liebe … all das war dem Autor nur allzu vertraut.

Ostseebad Boltenhagen

Ostseebad Boltenhagen

Almut Philipp

Vom Fischerdorf zum Ostseebad

Die idyllische Steilküste des Ostseebads
Die idyllische Steilküste des Ostseebads

Als im Jahr 1803 Graf von Bothmer, ein Nachfahre von Graf Hans Caspar von Bothmer, einen Badekarren am Strand von Redewisch aufstellen ließ, hatte das heutige Ostseeheilbad Boltenhagen wohl seine wahre Bestimmung gefunden. Heute gilt das Urlauberparadies mit rund 2600 Einwohnern als das drittälteste Ostseeheilbad Deutschlands. Seit 1998 ist der Ort „Staatlich anerkanntes Seeheilbad“.

Boltenhagen an der mecklenburgischen Ostseeküste vereint mehrere Ortsteile. Die ältesten − Tarnewitz und Redewisch – wurden bereits um 1230 im sogenannten Ratzeburger Zehntenregister erwähnt. Um 1325 fand als Longa Indago, was so viel wie Langhagen bedeutet, auch Boltenhagen seine erste urkundliche und 1336 namentliche Erwähnung. Viele Jahrhunderte blieb der Ort ein einfaches Bauern-und Fischerdorf.

Vom Baden im Meer – ein adeliges Vergnügen

Ein typischer Fischkutter in Boltenhagen
Ein typischer Fischkutter in Boltenhagen

Zunächst bot Graf von Bothmer seiner Familie, die in Klütz im Hinterland auf Schloss Bothmer, nur vier Kilometer vom Ostseestrand entfernt residierte, Badevergnügen am Meeresstrand. So soll der Badekarren in England bereits um das Jahr 1750 erfunden und in den dortigen Seebädern genutzt worden sein. Man stieg hinein, entledigte sich seiner Kleidung und währenddessen wurde die hölzerne Umkleidekabine von Pferden bis ins Meer gezogen. Um 1810 begann auch im Fischerdorf Boltenhagen ein reger sommerlicher Badebetrieb. Auswärtige Badegäste kamen, logierten in Klütz oder übernachteten in den einfachen Bauern- und Fischerhäusern oder auch in den schornsteinlosen Rauchkaten. Die Einheimischen lebten dann in ihren Scheunen oder Ställen.

Nach der großen Flut

Die Kirche Paulshöhe
Die Kirche Paulshöhe

Als Feriengast erreicht man Boltenhagen meist über die Weiße Wieck oder, direkt über Klütz kommend, mit Bus und Auto. Zentral gelegen fällt das Gotteshaus von Boltenhagen, eine kleine Kirche auf der Paulshöhe, in den Blick. Der „Kirchberg“ ist der Rest der langen Düne, die bei der großen Sturmflut 1872 noch stehen geblieben war. Beinahe das ganze Dorf war in den Meereswellen versunken. Die Grundsteinlegung für die kleine Kapelle hatte nach dem Krieg 1870/71 begonnen, die Flut hat sie überstanden und 1873 wurde sie geweiht. Laut Chroniken entstand der Bau auf Anregung des jüdischen Kaufmanns Scheu und von Pastor Meyer aus Wismar mittels Spenden auf dem sandigen Hügel. 1880 haben die Einheimischen dem Pastor einen Denkstein aufstellen lassen. Das Altarbild, Bänke und Kanzel sind noch aus der Entstehungszeit erhalten. 1946 wurde die Kapelle die Kirche der regionalen ev.-luth. Kirchgemeinde. In der Sommerzeit finden kleine Konzerte und Veranstaltungen statt.

Der Weg zu einem modernen Ostseebad

Unterwegs in der Bäderbahn "Carolinchen"
Unterwegs in der Bäderbahn "Carolinchen"

Heute erinnert ein nostalgischer Badekarren an der Promenade zur Seebrücke an diese Anfänge. Nach und nach erkannte man an den deutschen Küsten die heilklimatische Wirkung des Badens. Man reiste mit Kutsche oder auch Schiff an. Die ersten größeren Logierhäuser werden gebaut. Boltenhagen wird nicht mehr nur sommerliche Treffpunkt adliger, sondern auch bürgerlicher Prominenz.

Das Ortsbild prägen jedoch noch immer die kleinen Häuser an der Promenade und am Kurpark mit einer Trinkhalle und das Restaurant „Zur Seebrücke“, die um 1920 errichtet wurden. Neben Eisdielen, kleinen Cafés und Imbissangeboten sind hier kleine Läden für Kleidung, Schuhe oder maritime Souvenirs eingezogen. Im Kurpark mit der Kurmuschel finden Konzerte und Veranstaltungen für Kinder statt. Das 2000 eröffnete Kurhaus beherbergt die Urlauberbibliothek und die Touristeninformation.

Doch vor allem sind es der feine helle Sand und das Meer, die Boltenhagen zu einem der schönsten Bäder an der Ostsee machen. Ein fünf Kilometer langer Strand von der Steilküste bis zur 2008 eröffneten Marina Weiße Wiek lockt viele Badegäste an. Das Heilklima des Meeres und des Küstenschutzwaldes bieten Gesundheitsvorsorge und Therapie in Kureinrichtungen bzw. zwei Reha-Kliniken. Unzählige Ferienunterkünfte und ein großer Campingplatz beherbergen Urlauber. Eines der letzten großen Hotels an der Mittelpromenade, das nach dem gleichnamigen niederdeutschen Schriftsteller benannte „John Brinckmann“, wurde endlich saniert. Einst war es das Erholungsheim des FDGB im Ort. Vieles zur Geschichte Boltenhagens, kleine Begebenheiten und Naturerlebnisse werden von „CAROLINCHEN“, der Bäderbahn, während einer Stadtrundfahrt, der Fahrt zur Steilküste oder zur Marina Weiße Wiek „erzählt“.

Imposant ragt die neue Seebrücke 290 Meter lang ins Meer. 1941 war die 1911 erbaute 300 Meter lange Seebrücke durch die Eismassen der Ostsee zerstört worden. Fahrgastschiffe ankern hier für Ausflüge zwischen Wismar und Boltenhagen. An einigen Wochentagen gibt es fangfrischen Fisch direkt vom Fischkutter, v. a. Steinbutt. Im Fischereihafen an der Marina Weiße Wiek arbeiten die letzten noch verbliebenen Berufsfischer Boltenhagens. Die Hafenanlage steht auch Skippern, Wasserwanderern und Wassersportlern zur Verfügung.

Überhaupt ist das (Familien-)Freizeitangebot groß. Am Fuß der Seebrücke lädt die Strandbar Salsa Beach ein. Neben Wasser- und Tauchsport, Fahrradtouren, Strandvolleyball und (Strand-)festen wie dem jährlichen Promenadenfest gibt es das privat geführte Buddelschiffmuseum mit etwa 220 Buddelschiffen, einen Reiterhof und in der näheren Umgebung auch eine SwinGolf-Anlage und die kleine Stadt Klütz.

Seit 2021 ist die direkt hinter der Düne mit dem Blick auf das Meer gebaute 2,2 km lange Dünenpromenade fertig und lädt zum Flanieren ein. An den Aufgängen gibt es kleine Strandhäuser, hier können auch die für die Ostseebäder so typischen Strandkörbe gemietet werden.

 

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Bilder: Almut Philipp

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