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Florian Russi

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Der Rostocker Stadthafen

Dörte Suhling

Der Stadthafen, für viele Einwohner und Besucher Rostocks das eigentliche Zentrum der Hansestadt, kann auf eine lange Historie zurückblicken. Die breite Uferpromenade mit Segel- und Museumshafen, die von zahlreichen Restaurants, Clubs, Läden und Theaterspielstätten gesäumt wird, lädt ganzjährig zum Flanieren und Verweilen ein.

Schon immer eng mit der Hansestadt verbunden

Der Stadthafen entstand vor fast 800 Jahren fast gleichzeitig mit der Hansestadt selbst. Im Bereich der historischen Speicher entstand das erste Hafenbecken. Mit der Ausdehnung Rostocks in westliche Richtung, mit Entstehung der Stadtviertel in Mittel- und Neustadt entwickelte sich der Rostocker Hafen ab etwa Mitte des 13. Jahrhunderts immer weiter bis hin zur Fischerbastion.

Holzschnitt der Rostocker Ansicht von Norden mit Versen von Hans Sachs 1550
Holzschnitt der Rostocker Ansicht von Norden mit Versen von Hans Sachs 1550

Von der festungsartigen Anlage der Fischerbastion hatte die Stadt Rostock damals zum einen die Kontrolle über den Hafen, zum anderen aber auch die Verteidigung des Hafengeländes sowie des gesamten Gebietes um die Unterwarnow. An der Fischerbastion endete zudem das Stadtgebiet Rostocks. Eine aus Holzpalisaden errichtete Begrenzung verlief quer durch die Warnow bis zum Fährhaus in Gehlsdorf. In der Mitte bildete ein auf Pfählen errichtetes Blockhaus die Hafendurchfahrt, die nachts für Schiffe wie ein Stadttor verschlossen blieb. Mitte des 15. Jahrhunderts erreichte der Hafen in etwa die Größe, die heute als Stadthafen der Hansestadt bekannt ist. Der Name „Stadthafen“ war allerdings im Mittelalter so gebräuchlich.

Hafen als Keimzelle der wirtschaftlichen Entwicklung der Hansestadt

Der witterungs- und sturmgeschützte Hafen Rostocks trug wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Hansestadt bei. Nicht nur, dass hier Waren verschifft oder umgeschlagen wurden, im Umfeld des Hafen entstanden zudem zahlreiche Betriebe der Zuliefer- und verarbeitenden Industrie. Hier werden die zuvor erworbenen halbfertigen Waren weiterverarbeitet und wieder verschifft. Importierte Waren wurden umgeschlagen und im Umland von Kaufmannsleuten weiterverkauft. Die bekannten Rostocker Kaufmannsfamilien Kröpelin oder Schnickmann sind heute noch durch die Benennung großer und bedeutender Straßenzüge in der Hansestadt bekannt.

Zu den klassischen Kaufleuten zählten aber auch die sogenannten „Rigafahrer“, Kaufleute, die in Richtung Osten wie z. B. nach Riga oder Nowgorod fuhren, um Pelze oder Honig aus den Kontoren der Hanse zu holen, die Tuchhändler, die Tuche importierten, die dann von den Wollwebern in Rostock weiterverarbeitet wurden oder die Bierbrauer, die ihr in Rostock gebrautes Bier in alle Welt exportieren. Über den Hafen bestehen u. a. über den Export von Getreide auch enge Handelsbeziehungen nach Skandinavien. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts war der Rostocker Hafen ein Zentrum für Kaufleute aus aller Welt.

Panorama der Hansesail vom Warnowufer
Panorama der Hansesail vom Warnowufer

Nach der Entdeckung Amerikas verlagern sich die Handelsströme gen Westen. Holländische Kaufleute kamen nach Rostock und brachten nicht nur neue Waren, sondern auch ihre eigenen Steinformate mit, was sich auf Baukunst und Architektur in Rostock auswirkte. Die kleinen schmalen Steine lösen die großen, schweren mittelalterliche Backsteine ab. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges brach der Handel im Rostocker Hafen unter dem Einfluss der neuen Handelsmacht Niederlande mehr und mehr ein.

Hafen bleibt Einnahmequelle für die Hansestadt

Jedes Schiff, das in den Rostocker Hafen einlief, musste seine Waren in der Hansestadt auch anbieten und Steuern darauf zahlen. Die Waren wurden über die ehemals sieben Landungsbrücken von den Schiffen entladen und über die sieben Stadttore am Hafen in die dahinterliegenden Kaufmannshöfe gebracht. Von dort aus wurden die eingeführten Waren dann über die sieben Hauptstraßen in die Stadt oder das Umland weitertransportiert.

Der Rostocker Stadthafen nach 1960

Die Entwicklung und Modernisierung des Rostocker Stadthafens erfolgte permanent bis zur Eröffnung des Seehafens von Warnemünde im Jahr 1960. Danach sank die Bedeutung des Stadthafens für den Handelsverkehr. Der immer noch als Handelshafen geführte Stadthafen wurde fortan nur noch von kleineren Schiffen angesteuert.

Die direkte Verbindung zwischen Stadthafen und Hansestadt wurde durch eine Mauer getrennt. Das Hafengebiet gehörte fortan nicht mehr zum Stadtgebiet und war zu Zeiten der ehemaligen DDR Grenzgebiet, das nicht ohne entsprechende Genehmigung betreten werden durfte.

Der Stadthafen erwacht nach 1989 neu

Nach 1989 entdecken die Einwohner der Hansestadt den Stadthafen wieder. Ab 1991 wurden die alten Hafenanlagen beseitigt. Heute ist mit Kohlehafen, der Haedgehalbinsel, verschiedenen Fischhallen und Speichergebäuden vorwiegend die Hafenbebauung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts im Rostocker Stadthafen zu sehen. Die ehemaligen mittelalterlichen Hafengebäude sind weitestgehend überbaut oder beseitigt worden.

Rund um die alten Speicheranlagen haben heute zahlreiche Firmen ihren Sitz. Darunter die Reederei AIDA Cruises, die sich mittlerweile zu einem der größten Arbeitgeber der Hansestadt entwickelt hat.

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Bildquellen:

Holzschnitt der Rostocker Ansicht von Norden mit Versen von Hans Sachs 1550, gemeinfrei

Panorama der Hansesail vom Warnowufer, gemeinfrei Von Lauchi - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77...

Der Rostocker Stadthafen


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