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"... mein Leben, das allerqualvollste, das ein Mensch je geführt hat." So schrieb Heinrich von Kleist an eine seinem Herzen nahe stehende Verwandte wenige Stunden, bevor er sich mit seiner Todesgefährtin am Wannsee erschoss.

Ukranenland

Ukranenland

Dörte Suhling

Wie die Slawen vor tausend Jahren lebten

Der Großteil des heutigen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern war seit dem frühen Mittelalter von slawischen Stämmen besiedelt. Erst ab ca. 1200 wurden deutsche Siedler in diesem Gebiet sesshaft und verdrängten die Slawen nach und nach. Zeugnisse der slawischen Besiedelung Mecklenburgs, aber auch Vorpommerns sind heute noch zahlreich vorhanden. Zu den bekanntesten zählt die ehemalige Jaromarsburg am Kap Arkona auf der Insel Rügen, heute eines der bedeutendsten Bodendenkmale in Mecklenburg-Vorpommern. Aber auch zahlreiche Ortsnamen, Burgwälle oder Hünengräber erinnern an die Zeit der slawischen Besiedelung.

Ein Museum der ganz besonderen Art ist das Ukranenland bei Torgelow. In einer Wiesenaue zwischen dem Fluss Uecker und den Wäldern südwestlich der nur knapp zwei Kilometer entfernten Kleinstadt im Landkreis Vorpommern-Greifswald können Besucher hautnah nachvollziehen und mit eigenen Sinnen erleben, wie die Slawen vor über tausend Jahren gelebt haben. Jedes Jahr kommen nicht nur zahlreiche Schulklassen, sondern auch Familien mit Kindern oder andere Wissbegierige hierher, um mehr über die Zeit der Slawen und deren Eigenheit zu erfahren.

Wer waren die Ukranen?

Die Ukranen, die auch unter der Bezeichnung Ukrer bekannt sind, gehörten zu den nordwestslawischen Völkern, die sich archäologischen Funden zufolge im 7. Jahrhundert an der Ucker im Gebiet der Uckermark und an den Ufern der Uckerseen im heutigen Grenzgebiet zwischen den Bundesländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern niederließen. Die erste nachweisbare schriftliche Erwähnung der Ukranen stammt aus dem Jahr 948 aus einer Stiftungsurkunde des Bischofs von Brandenburg.

Die von den Wikingern auch als Wenden bezeichneten slawischen Völker, die sich zwischen den großen Flüssen Elbe und Oder niedergelassen hatten, hatten eine wechselhafte Geschichte. Oft Ziel kriegerischer Angriffe, z. B. um 955 von Margraf Gero (?–965), wurden sie einige Jahre später vom sächsischen König Otto I. (912–973) in einer Schenkungsurkunde des Moritzklosters von Magdeburg erwähnt und mussten fortan Tribut an das Kloster zahlen. Im Zusammenschluss mit anderen Slawenstämmen beteiligten sich die Ukranen am Slawenaufstand von 983, der die damals bereits begonnene Christianisierung des von Slawen besiedelten Gebietes bis etwa zu Beginn des 12. Jahrhunderts stoppen konnte.

Das Freilichtmuseumsdorf Ukranenland

Im Museumsdorf Ukranenland wurde am Fuß der Ruine der Burg Torgelow (Castrum Turglowe) eine frühmittelalterliche slawische Siedlung anhand von archäologischen Funden aus jener Zeit originalgetreu nachgebaut. Besucher können hier seit 1995 die in Originalgröße rekonstruierten Block-, Pfosten- und Flechtwandhäuser bestaunen, in denen die Ukranen im 9. und 10. Jahrhundert gelebt haben. Von den Wohnhäusern durch eine aus Holz errichteten Palisade getrennt liegen am Anlegesteg an der Uecker zwei historische Schiffsbauten. Die „Svarog“, 1967 bei Ralswiek entdeckt und 1997 als erstes in Deutschland nachgebautes Slawenschiff ausgestellt, ist der Bauweise von Schiffen aus dem 9. Jahrhundert nachempfunden. Die etwas modernere „Swantevit“ zeigt nach dem Vorbild eines Bootsfundes aus dem polnischen Charbrowo, in welcher Bauweise Schiffe um 1100 errichtet wurden.

Neben Wohn- und Schiffsbauten der Ukranen aus der damaligen Zeit werden im Museumsdorf von den Museumsmitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch historische Handwerkskunst und Arbeiten aus der frühmittelalterlichen Zeit gezeigt, und zwar in traditionellen Trachten und typischer Kleidung aus der Zeit der Ukranen. Besucher können die „Ukranern von heute“ beim Hüten der Schafe oder bei der Pflege von Pferden und anderen Tieren, beim Flechten, Weben, Backen im Lehmofen, Schnitzen, Filzen und der Verarbeitung von Leder über die Schulter schauen.

Und wer möchte, kann sich beim Bronzegießen, Schmieden oder Töpfern unter Anleitung der Experten vor Ort auch mal selbst versuchen. Das Ausprobieren gehört zum pädagogischen Konzept des Freilichtmuseums Ukranenland. Für die musikalische Untermalung sorgt eine Gruppe von Musikern, die nicht nur auf historischen Instrumenten musiziert, sondern diese auch vorstellt, erklärt und deren Herstellung zeigt.

Alle Jahre wieder im Ukranenland

Besondere Höhepunkte im Ukranenland sind die jeweils alljährlich im Frühjahr und im Herbst stattfindende historische Markttage. Tausende Besucherinnen und Besucher aus der Region nutzen diese Gelegenheit, sich an mittelalterlichem Markttreiben mit Handwerk, Musik und Gaukelei zu erfreuen.


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Bildquellen:

Vorschaubild: Im Mittelalterzentrum Castrum Turglowe, 2007, Urheber: Ökologix via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Ukranenland, Blick in die Hütte des Löffelschnitzers, 2007, Urheber: Ökologix via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Einblick ins größte Haus des Ukranenlandes, 2018, Urheber: 30maria05 via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Das Slawendorf „Ukranenland“, 2007, Urheber: Ökologix via Wikimedia Commons Gemeinfrei.


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