Mecklenburg Vorpommern Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.meck-pomm-lese.de

Weiterempfehlen

Trägerwerk-Skizzen

Wunderschöne Ansichten von 24 Einrichtungen der Trägerwerke für Soziale Dienste  - gezeichnet von Gerhard Klein

(2011, erschienen im Bertuch Verlag).

Die Wassermuhme

Die Wassermuhme

Ludwig Bechstein

Diese Sage handelt von einer seltsamen Stimme die aus einem Fluss in der Nähe von Parchim gehört wurde. Mit einer Muhme ist meistens ein Geist bzw. im Allgemeinen etwas Böses gemeint. So benannte schon einst Johann Wolfgang von Goethe in seinem Buch „Faust I" die Schlange die Adam und Eva versuchte als „meine Muhme, die berühmte Schlange".

Andreas Werner

Bei Slate südlich von Parchim an der Elde fließt ein tiefer Bach, der nahebei in die Elde mündet. Eines Abends ging der Prediger des Dorfes am Wasser entlang unter den hohen Eichen. Die Sonne war untergegangen, und die Dämmerung brach herein, da rauschte es im Wasser, und eine dumpfe Stimme wurde hörbar, die sprach: Die Stunde ist da, aber der Knabe noch nicht. Dieses Wort aus dem Wasser machte den Geistlichen bedenklich, er gab seinen Spaziergang auf und ging wieder zum Dorf. Da lief ihm ein hübscher Knabe entgegen. Der Pastor rief ihn an: Wohin, mein Sohn, wohin so eilend? - Zum Bache! rief der Knabe dreist. Ich will Muscheln und bunte Steine suchen! - Gehe nicht, mein Knabe! sprach der Geistliche. Laufe lieber zu mir in das Haus und hole mir meine Bibel. Du sollst auch einen Schilling haben. Der Knabe lief hin und holte die Bibel,  brachte sie und wollte dann schnell nach dem Wasser eilen, da sie aber jetzt im Dorfe und in des Kruges Nähe waren, sprach der Pastor: Verziehe noch, Knabe, du sollst auch einmal trinken. Er bestellte Bier im Krug für den Knaben, und der Knabe trank. Da scholl ein Schrei und ein Rauschen vom Wasser her, und der Knabe sank tot nieder. Die Stunde war da und der Knabe auch.

aus dem Buch: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1930

bearbeitet von Andreas Werner

 

Bildquelle: The Fisherman and The Siren Knut Ekvall (1843-1912), Gemeinfrei, Wikipedia