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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Malchin

Malchin

Dörte Suhling

Kleinstadt zwischen zwei Seen

Im Nordwesten des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, fast mittig zwischen Malchiner und Kummerower See, liegt die Kleinstadt Malchin. Am Kreuzungspunkt der Handelswege vom Norden nach Süden bzw. vom Westen in östliche Richtung gelegen, hatte die Stadt schon seit dem Mittelalter für lange Zeit nicht nur große wirtschaftliche Bedeutung, sondern war für Herzöge Mecklenburgs auch strategisch wichtig.

Heute schätzen vor allem Urlauber und Gäste der ehemaligen Kreisstadt die landschaftlich reizvolle Lage inmitten der Mecklenburgischen Schweiz mit direkter Anbindung an die nahegelegenen Seen. Beliebt ist die Stadt Malchin, in der heute etwa 7 000 Menschen leben, auch bei Zweirad- und Oldtimerfans, die sich hier alljährlich zum Mecklenburger Motorrad- und zum Oldtimertreffen zusammenfinden.

Alles begann mit den Slawen

Die Stadt Malchin, heute Amtssitz des Amtes Malchin am Kummerower See, entstand aus einer von slawischen Siedlern weit vor dem Ende des 12. Jahrhunderts errichteten Siedlung. Unter dem Namen „Malekin“ wurde der Ort im Jahre 1215 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name stammt höchstwahrscheinlich vom slawischen Begriff „Malochyni“, dessen Wortstamm „maloch“ zu Deutsch „klein“ bedeutet. Der Ortsname änderte sich mit „Malechin“ oder „Malchyn“ noch mehrere Male, bis ab 1257 die Bezeichnung Malchin feststand.

Die Stadt entsteht planmäßig

Schon bald nach der urkundlichen Ersterwähnung begann die planmäßige Anlage des Ortes, die vor allem von Nikolaus I., Herrn von Werle (1210–1277) vorangetrieben wurde. Er war es auch, der dem Ort Malchin am 7. April 1236 offiziell das Stadtrecht verlieh. Im Zentrum der rasterförmig angelegten Straßen- und Wegenetzes der Stadt befanden sich die Kirche im Stil der Spätromanik sowie der vorgelagerte Marktplatz. Rund um die Stadt entstand eine wehrhafte Befestigungsanlage, von der heute nur noch die Vortore des Kalenschen und des Steintors sowie ein Turm der Stadtmauer mit Mauerresten erhalten sind.

Während eines verheerenden Stadtbrandes im Jahr 1397 wurde große Teile von Malchin zerstört bzw. stark beschädigt, darunter auch die Stadtkirche St. Johannes. Es sollte über 40 Jahre dauern, bis der Wiederaufbau der zerstörten Kirche, heute eine der größten und schönsten Backsteinkirchen im Norden Deutschlands, fertiggestellt wurde.

Malchin und seine politische Bedeutung

Als Grenzstadt zwischen dem Herzogtum Mecklenburg-Strelitz und Pommern fiel Malchin lange Zeit eine wichtige strategische Rolle zu. Zwischen 1621 und 1918 war Malchin neben Sternberg Tagungsort des Mecklenburger Landtages, dem höchsten politischen Entscheidungsgremium der beiden Landesteile Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin.

Nach der Zusammenlegung der ehemaligen Ämter Dargun und Stavenhagen war Malchin Sitz des gleichnamigen neuen Amtes und ab 1933 des Kreises Malchin. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges, in dessen Folge mehr als drei Viertel der Gebäude in der Stadt zerstört wurden, wurde Malchin 1952 Kreisstadt im neugegründeten Bezirk Neubrandenburg. Seit 2005 ist Malchin amtsführende Gemeinde des Amtes Malchin und Kummerower See im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Der „Erfinder des Automobils“ kommt aus Malchin

Bekannt wurde Malchin u. a. durch den hier geborenen Mechaniker, Techniker und Erfinder Siegfried Marcus (1831–1898), der den weltweit ersten benzinangetriebenen Verbrennungsmotor erfand und daneben über 130 Patente auf verschiedenen Forschungsgebieten in 16 Staaten angemeldet hat. Marcus begann in seiner Geburtsstadt Malchin eine Ausbildung zum Mechaniker und schloss diese in Hamburg ab. Den größten Teil seines Lebens verbrachte Marcus allerdings in Wien, wo der begeisterte Kaffehausgänger 1898 auch verstarb.

In Wien hat Marcus vor allem an Vergasern, an Zündapparaten, an von Benzin angetrieben Motoren sowie an Explosionsmotoren und Motorwagen gearbeitet oder diese weiterentwickelt. Im Rahmen seiner Forschung sind zwei Motorwagen entstanden. Für seine Arbeiten erhielt Siegfried Marcus mehrere Auszeichnungen, u. a. 1867 auf der Weltausstellung in Paris.

Auch heute noch eng mit Motoren verbunden

Auch heute noch spielen Motoren, Benzinantrieb, Vergaser und Co. in der Kleinstadt am Übergang von Malchiner und Kummerower See eine große Rolle. Seit 1993 findet in Malchin jedes Jahr im Mai das Mecklenburger Motorradtreffen statt, das die Kleinstadt auch über die Grenzen des Landkreises hinaus bundesweit bekannt gemacht hat.

Noch nicht ganz so lange, aber dennoch schon traditionell treffen sich seit 2003 immer im September in Malchin die Oldtimerfreunde. Beide Treffen enden jeweils mit einer großen Ausfahrt, für Einwohner und Besucher der Stadt jedes Jahr wieder ein beeindruckendes Erlebnis.


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Vorschaubild: Blick über die Altstadt von Malchin zum Steintor, 2007, Urheber: p.schmelzle via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Der Kummerower See bei Salem, 2007, Urheber: Christian Pagenkopf via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

St.-Johannis-Kirche; im Hintergrund das Rathaus, 2015, Urheber: Christian Fischer via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Wappen der Stadt Malchin, Urheber unbekannt; bereitgestellt von > http://www.ngw.nl/int/dld/m/images/malchin.jpg < via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Fotografie von Siegfried Marcus, bereitgestellt 2005 durch Newfoundlanddog via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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