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Seebrücken - ein Stück Bädergeschichte der Ostsee

Seebrücken - ein Stück Bädergeschichte der Ostsee

Dörte Suhling

Jeder, der schon mal an der Ostsee Urlaub gemacht hat, kennt sie als Wahrzeichen vieler Ostseebäder, auf denen man vom Strand aus bis zu mehrere hundert Meter weit aufs Meer hinausschlendern kann: die Seebrücke. Egal ob in Ahlbeck, Sellin, Graal-Müritz, Kühlungsborn, Grömitz oder Kellenhusen: Seebrücken haben etwas Magisches und ziehen zu jeder Jahreszeit bei Wind, Sonne und Schnee Gäste und Einheimische in ihren Bann.

Vielfach als Schiffsanleger, aber auch als Flaniermeile, Fotomotiv oder Filmkulisse verwendet, bilden die Seebrücken zusammen mit den weißen Villen die für die Ostseebäder so charakteristische Architektur und verleihen den Urlaubsorten ihr besonderes Flair. Als Verlängerung der Promenade bilden die größtenteils aus Holz errichteten Bauwerke einen gelungenen Abschluss des Bummels durch das Ostseebad. In Warnemünde, Stralsund oder Sassnitz wurden die früheren Holzbrücken mit Steinen weiter verfestigt und werden heute als Mole bezeichnet.

Die ersten Seebrücken an der Ostseeküste

Als eine der ersten Seebrücken an der Ostsee entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Heiligendamm, dem ältesten deutschen Seebad, nach dem Vorbild der 1824 im südenglischen Brighton errichteten Brücke eine hölzerne Seebrücke. Von diesem etwa 200 Meter langen Bauwerk hatten Besucher einen fantastischen Blick auf das zwischen 1793 und 1870 errichtete klassizistische Ensemble der „weißen Stadt am Meer“. Auch heute noch lassen sich Sonnenuntergänge vor dem Panorama von Grandhotel und Klinik Heiligendamm besonders gut von der Seebrücke in Heiligendamm aus beobachten.

Als älteste Seebrücke an der deutschen Ostseeküste gilt heute aber die Seebrücke von Ahlbeck auf der Insel Usedom. Um 1882 wurde ein Holzsteg gebaut, der über den Strand zu einer Plattform am Meer reichte, auf der sich eine Gaststube und andere Holzbauten befanden. Um 1898 wurde der Steg in Richtung Ostsee erweitert, sodass die Besucher vom Strand nicht nur die Plattform, sondern auf direkten Wege auch den über 200 Meter entfernt in der Ostsee liegenden Anlegepunkt der Fahrgastschiffe erreichen konnten.

Andere Ostseebäder zogen nach

Mit dem Beginn des Baubooms in den Ostseebädern Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden auch in vielen weiteren Ostseebädern Seebrücken oder Molen. Die längste Seebrücke an der Ostseeküste ist mit 508 Metern Länge in Heringsdorf zu bewundern. Die heutige Seebrücke ist ein Neubau aus dem Jahr 1995, der auf das Vorbild der historischen „Kaiser-Wilhelm-Brücke“ zurückgeht, die nach dem Zweiten Weltkrieg und einem Großbrand im Jahr 1957 völlig zerstört worden war.

Die Kaiser-Wilhelm-Seebrücke von Heringsdorf wurde 1893 nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht und war nicht nur wegen ihrer Länge, sondern auch aufgrund der integrierten Türmchen und Kolonnaden, die Restaurants und kleinere Geschäfte beherbergten, und des nachträglich angebauten seitlichen Schiffsanlegers einzigartig.

Von den Seebrücken auf der Insel Rügen in Binz, Göhren, oder Bansin ist die 1906 im Ostseebad Sellin errichtete Brücke mit heute 394 Metern die längste. Die ursprünglich 508 Meter lange Brücke wurde durch Feuer, Salzwasser und Eisgang stark beschädigt und musste mehrfach erneuert werden Dabei entstanden auch die Plattform mit Konzerthalle und Brückenhaus. Die Seebrücke von Sellin gehört heute zu den beliebtesten Postkartenmotiven der Insel Rügen.

Brückengeld und Brückenordnung

Die Seebrücken gewannen zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur als Flaniermeilen für Badegäste, sondern auch für den Schiffsverkehr immer mehr an Bedeutung. So verkehrte z. B. seit der Badesaison 1901 regelmäßig Dampfschiffe zwischen Warnemünde, Brunshaupten (heute Kühlungsborn-Ost) und Arendsee (heute Kühlungsborn-West). Weitere Schiffsverbindungen z. B. nach Wismar folgten.

Um die Benutzung und Instandhaltung der Seebrücken der Ostsee zu regeln, galt ab 1914 im Bereich des Großherzoglichen Amtes Doberan eine Brückenordnung. Danach waren die Gemeindevertreter der Ostseebäder mit Seebrücke verpflichtet, vor Saisonbeginn den Zustand der Brücken von Sachverständigen prüfen zu lassen und einen Brückenwärter einzustellen.

Um die Finanzierung der anstehenden Reparaturen an den Seebrücken zu sichern, wurde ein Brückengeld erhoben. So kassierte damals der Brückenwärter von allen ankommenden Fahrgästen 0,20 Reichsmark (RM). Die Zahlung des Brückengelds entfiel erst ab 1940, als der bauliche Zustand der Seebrücke das Anlegen von Dampfern nicht mehr zuließ.

Seebrücken an der Ostsee heute

Heute zählen die Ostseebäder in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zusammen knapp 40 Seebrücken. Von den 19 in Mecklenburg-Vorpommern stand zu Wendezeiten um 1990 nur noch eine einzige: die älteste Ostseebrücke von Ahlbeck. Viele der Bauwerke ins Meer wurden während des Zweiten Weltkrieges stark in Mitleidenschaft gezogen. Zu DDR-Zeiten war das staatliche Interesse am Erhalt der Seebrücken, die vielfach im Grenzgebiet lagen, nicht besonders groß, sodass sie zusehends verfielen und schließlich abgerissen wurden.

Erst nach 1990 bestand wieder Bedarf, die Urlauber auch über den Wasserweg wieder in die Ostseebäder von Rügen, Usedom oder Fischland-Darß direkt an der Küste zu bringen. Der Bau neuer Seebrücken war nicht nur für Reedereien ein lohnendes Geschäft, sondern wurde auch von Tourismusverbänden und den betroffenen Gemeinde selbst unterstützt. So entstanden z. B. neue Seebrücken in Prerow, Boltenhagen, Kühlungsborn, Lubmin, Rerik und Wustrow, die auch heute wieder Besucher begeistern.


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Bildquellen:

Vorschaubild: Seebrücke von Sellin (Rügen), 2007, Urheber: Jean-Luc 2005 via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Ahlbeck Auf der Seebrücke, 1908, Urheber unbekannt, Verlag E. Rubin. Lubeck via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Seebrücke in Heringsdorf/Usedom, vom Aussichtsturm der Ostseetherme in Albeck aus gesehen, 2013, Urheber: Supperlot via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Ostseebad Boltenhagen; Seebrücke, Schiff und Schwan, 2008, Urheber: SeptemberWoman via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.


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